| Dies und Jenes | |||||
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***Holiday
Special***
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![]() Weihnachtsmarkt in Stuttgart - Midori spielt am 28. und 29. Januar in der Liederhalle Brahms' Violinkonzert (click here) |
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| Midori
über Rautavaaras Musik und Neue Musik im Allgemeinen Mein Interesse an Rautavaaras Musik wurde geweckt, als ich zum ersten Mal eine Aufnahme seines Violinkonzerts hörte. Seine individuelle Sprache, die aus einer einmaligen Kombination aus Ernsthaftigkeit, Leidenschaft und rhythmischem Humor resultiert, macht seine Musik so besonders und anziehend. Ich habe in Bezug auf Neue Musik nicht wirklich eine "Philosophie". Im Allgemeinen bin ich der Überzeugung, dass das Musizieren ehrlich sein und Persönlichkeit haben muss. Der Persönlichkeitsaspekt muss Substanz haben und dabei doch etwas bleiben, zu dem Menschen eine Verbindung aufbauen können. Will man zeitgenössiche Musik unterstützen, so ist es vor allem wichtig, aufgeschlossen zu sein und sich den neuen Entwicklungen in Klang und Effekten zu öffnen. Dies trifft natürlich auf jede Art von Musik zu, doch mit Neuer Musik kann das sehr abenteuerlich werden. Manchmal kann es dem Publikumhelfen, vorher über das entsprechende Werk aufgeklärt zu werden, doch ich glaube nicht, dass es nur auf diese Weise geht. Den historischen oder biographischen Kontext eines modernen Werkes zu erfassen, erfordert vom Hörer einen guten Background, kann dann aber die "Angst" vor dieser scheinbar ungewohnten, geheimnisvollen Musik vertreiben. |
![]() Das Münchner Rathaus am Marienplatz |
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![]() Münchner Herkulessaal der Residenz - Innenhof |
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![]() Meet & Greet nach dem Konzert im Herkulessaal |
![]() Bühne Herkulessaal - Radioaufnahme BR |
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![]() Meet & Greet nach dem Konzert im Herkulessaal |
![]() Herkulessaal - Bühnenprobe mit Bob |
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![]() Frankfurt - Alte Oper |
![]() Meine Guarnieri |
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| Midori
im November auf Deutschlandtournee Midori wird im November für eine Rezital-Tournee nach Deutschland kommen. Die Geigerin, die sich in den letzten Saisons bereits für zeitgenössische Musik eingesetzt hat, wird am 18. November in München ein Werk des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara (geb. 1928) uraufführen und im Laufe ihrer Tournee auch in Fürth, Frankfurt und Bamberg spielen. Midori gab diese Komposition für Geige und Klavier, die den Titel "Lost Landscapes" trägt, im Jahr 2005 in Auftrag. Rautavaara, der u.a. mit Unterstützung von Sibelius einen Teil seiner Studien in den USA absolvierte, beschreibt in den vier Sätzen des Werkes jeweils eine Landschaft bzw. Adresse, die für ihn während der Anfänge seiner Karriere wichtig gewesen ist: "Während meiner studentischen "Wanderjahre" waren diese vier Landschaften wichtige Umgebungen für mich. Zwei Sommer habe ich in den USA verbracht, 1955 und 1956, im TANGLEWOOD Music Center, wo meine Lehrer Roger Sessions und Aaron Copland waren. Das folgende Jahr ging ich nach ASCONA (Schweiz), um bei Wladimir Vogel zu studieren und um die Zwölftontechnik zu erlernen. REINERGASSE 11, das ist die Adresse des sehr romantischen, barock-verfallenen "Palais Schönburg" in Wien. Meine Adresse in New York war WEST 23rd STR. All diese "Landschaften" sind voller Erinnerungen und Atmosphären, visueller wie auditiver Eindrücke - sie sind musikalische Lebensthemen für mich." (Einojuhani Rautavaara) "Lost Landscapes" ist Rautavaaras erstes substanzielles Werk für diese Besetzung. Midori: "Rautavaaras Zuneigung für jeden der Orte ist offensichtlich. Die schönen Erinnerungen dominieren durch das ganze Werk wie sepia-farbene Flashbacks. So viele Emotionen, so viele Erfahrungen, so viele Überraschungen und Herausforderungen sind in den Erinnerungen verflochten." In Midoris 24. Konzertsaison liegt ihr Fokus mehr denn je auf ihren fünf Outreach-Organisationen, die sie in den USA und in Japan gegründet hat. Daneben führt sie ihre anspruchsvolle Konzerttätigkeit fort, die in dieser Saison auf vier Kontinente ausgedehnt ist. An der Thornton School of Music der University of Southern California doziert sie am Jascha-Heifetz-Lehrstuhl und ist Co-Leiterin des "Midori Center for Community Engagement", in dem sie Musikern, die ihre Musik auch außerhalb der Konzertsäle einem Publikum nahebringen möchten, ein Forum bietet. 18. November, München, Herkulessaal Beethoven: Sonate für Violine und Klavier Es-Dur Nr. 3 Bach: Sonate für Violine C-Dur BWV 1005 Rautavaara: Lost Landscapes Uraufführung Strauss: Sonate für Violine und Klavier Es-dur op. 18 Robert McDonald, Klavier 19. November, Fürth, Theater s. 18. November 20. November, Frankfurt, Alte Oper s. 18. November 22. November, Bamberg, Sinfonie an der Regnitz s. 18. November |
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| Midori
bei den Schwetzinger Festspielen 2005: auf ARTE am 25. Juni 2006
Im Mai 2005 trat Midori mit dem Pianisten Robert McDonald bei den Schwetzinger Festspielen auf und spielte Johann Sebastian Bachs Sonate a-moll für Solovioline BWV 1003, Wolfgang Amadeus Mozarts Violinsonate KV 454 und die Tre Pezzi op. 14 des ungarischen Komponisten György Kurtág. Am 25. Juni 2006 um 9.30 Uhr zeigt ARTE eine Aufzeichnung dieses Konzertes. |
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| November
2005
Während ihrer Japan-Tournee im November 2005 schrieb Midori ein Weblog, in dem sie ihre Leser mit auf Reisen nimmt und sie täglich über ihre Erlebnisse auf dem Laufenden hielt. Lesen Sie hier über ihre Eindrücke in Japan. * * * |
Weitere Impressionen von der Japan-Tournee finden Sie auf der Homepage des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks: http://www.br-online.de/kultur-szene/klassik/pages/so/ | ||||
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27.
November 2005 Jetzt ist auch das letzte Konzert der Japan-Tournee Vergangenheit. Morgen geht es zurück nach New York. Das Konzert war eine Matinee-Vorstellung um 14 Uhr, und ich schreibe dies noch schnell, bevor ich meinen Koffer packe. Heute hatte das Konzert besonderes Feuer und Energie. Die Luft fühlte sich anders an, der Saal war in einem Rausch von unbändiger Aufregung versunken. In der Luft lag eine fantastische Schwingung, die jedermann spüren konnte. Ich liebe die Aufführung von Tschaikowskys vierter Symphonie. Im dritten Satz, den das Oboensolo eröffnet, war ich plötzlich völlig allein es war kraftvoll und brennend heiß; es traf mich ins Herz und mir fehlen noch immer die Worte auszudrücken, wie unglaublich es interpretiert wurde. Mein Tag begann ziemlich normal, und ich ging gegen 11 Uhr zur Suntory Hall. Ich sitze nun vor meinem Computer in meinem Büro und schreibe diese Zeilen. Im Hintergrund läuft die Waschmaschine, ich will meine Sachen nämlich sauber haben, ehe ich morgen heimfliege. Das Wetter heute war großartig hier in Tokio, wir hören aber ganz anderes aus den Städten Europas. Ich hoffe, mein Flug wird pünktlich sein und dass es beim Zwischenstop in Chicago nicht wieder technische Probleme gibt. Ich habe seit 2 Wochen kaum Englisch gehört und kann es kaum erwarten, am Dienstag meine Schßler wiederzusehen. Midori |
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26.
November 2005 Heute war ein anstrengender Tag. Radio- oder Fernsehmitschnitte ermüden mich mehr als normale Konzerte. Das ist klar, weil jedem Konzert eine Vorab-Aufnahme vorangeht. Das bedeutet, dass für was auch immer im richtigen Konzert schiefgehen könnte, ein Ersatz zur Verfügung steht. Das heisst aber eben auch, zwei Konzerte zu spielen. Intensität umgibt die ganze Atmosphäre. So anstrengend und erschöpfend ein Konzertmitschnitt auch ist, ich liebe diesen Nervenkitzel. Nichts reizt mich mehr, nichts gibt mir ein größeres Hochgefühl. Anstatt mich von den Kameras und Mikrophonen unter Druck gesetzt zu fühlen, bin ich befreit und gegenwärtig. Ich liebe das Gefühl, meine Energie komplett zu absorbieren. Mein Tag begann um 6.30 Uhr in Toyama mit der Abfahrt vom Hotel. In Tokio angekommen, kaufte ich meine heutigen Käsebrötchen in einer eher schicken französischen Bäckerei am Haneda Airport. Ich muss gestehen, dass sie grandios schmeckten. Die Würze des leicht angebrannten Käses, kombiniert mit der Luftigkeit eines Croissants ist kaum zu übertreffen. Einmal in der NHK Hall angekommen, war es noch sehr ruhig. Das Orchester sollte erst in ein paar Stunden eintreffen und die Bühne war noch nicht aufgebaut. Die NHK Hall wurde 1973 erbaut und ist wahrscheinlich eine der meistgenutzten Säle in Japan, für Opern, Symphoniekonzerte, Popkonzerte, Tanzvorstellungen und Symposien. Sie ist vergleichbar mit der Radio Music Hall in New York, viele Veranstaltungen werden durch das NHK- Netzwerk übertragen. Da sie nicht ausschließlich für Musik gebraucht wird, muss die Bühne jedes Mal extra aufgebaut werden. Ehe die Akustik-Paneele montiert werden, ist alles leerer Raum, ohne Wände. Vom Publikum aus gesehen, ist es schwer vorstellbar, wie riesig der Bühnenbereich ist. Ich nutzte den Vorteil und übte in diesem Raum, noch bevor irgendjemand da war. Ich fühlte mich wie eine kleine Ameise auf einem großen Blatt! Heute musste ich mein Make-up machen lassen. Das bedeutete 30 Minuten Arbeit anstatt der üblichen drei. Der Visagist war sehr nett und brachte mich auf gewinnende Weise dazu, länger als eine Sekunde ruhig auf dem Make-up-Stuhl sitzenzubleiben. Nach der Vorab-Aufnahme und dem Konzert hatte ich vor dem Meet & Greet ein kurzes Meeting. Da meine Tage in Japan gezählt sind (ich fliege in zwei Tagen zurück nach New York), muss jede Möglichkeit für so etwas genutzt werden. Ich werde nicht vor Juni nächsten Jahres nach Tokio kommen, also ist die Zeit kostbar. Ich gehe jetzt ins Bett Licht aus! Morgen ist ein Matinee-Konzert in der berühmten Suntory Hall. Es wird mein letztes mit diesem Orchester auf dieser Tournee sein. Midori |
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25.
November 2005 Heute ist in den USA der Tag nach Thanksgiving. Aber natürlich gibt es in Japan nicht ansatzweise ein langes Wochenende. In Japan war der 23. ein Feiertag und ich bin froh, dass ich einen Tag zum Entspannen hatte. Ich verbrachte den Tag damit, zu schlafen und Konfuzius zu lesen. Mit neuer Energie kam ich gestern Abend via Osaka in Toyama an. Toyama ist circa 255 km von Tokyo entfernt und es ist an sich ein unkomplizierter Flug, aber da ich ein Meeting in Osaka hatte, reisten Ebi-chan und ich mit dem Zug zuerst dorthin und von da aus weiter nach Toyama. Dies ist dieselbe Strecke wie nach Fukui letzte Woche - Toyama ist ungeführ noch eine Stunde hinter Fukui. Ich habe mich gefreut, nach Toyama zu kommen, da es für mehrere Dinge bekannt ist und ich hier noch nie aufgetreten bin. Die Schönheit der umliegenden Berge und des Japanisches Meeres ist sehr berühmt. Sie ist wortreich im Man-yo-shu beschrieben, der ältesten Sammlung von circa 4500 Gedichten aus dem 8. Jahrhundert. Wenn man noch weiter in die Geschichte zurückblickt, stellt man fest, dass bereits in der Jyon-mon-Periode, die vor ungeführ 10.000 Jahren (!) mehrere Jahrtausende andauerte, Gemeinden in dieser Gegend existierten. Die Gemeinde in der Jyou-mon-Periode war eine klassenlose Gesellschaft und ihre Religion entwickelte sich aus einer Anbetung der Natur. Ihre Nahrung bestand aus Pflanzen, Fleisch und Fischen. Man glaubt, dass das Volk der Jyou-mon-Periode die Vorfahren der Japaner sind. In der neueren Geschichte,
in einer industrialisierten Gesellschaft, brachte YKK, eine internationale
Reissverschluss-Firma, Toyama auf die internationale Landkarte, und ebenso
Dr. Koichi Tanaka, der 2002 den Als wir gestern Abend kurz vor Mitternacht in Toyama ankamen, war es stockdunkel, und wir konnten die berühmten Berge leider nicht sehen. Dafür aber heute Morgen. Es gibt hier ein Gefühl der Offenheit, was in Japan sehr selten ist. Die Luft ist so klar und die Stadt hat viele Parks. Die Berge in der Ferne wirken prächtig und majestätisch. Ich hatte einen gemächlichen Morgen und kam kurz nach neun an der Toyama Aubade Hall an. Das Hotel war nur wenige Schritte entfernt und heute ist das beste Beispiel für einen perfekten Tag. Das Orchester sollte nicht vor dem Nachmittag ankommen, sodass ich den Garderobenbereich für mich alleine hatte und ich konnte soviel üben, wie ich wollte. Die Thanksgiving-Ferien in den USA sorgen dafür, dass ich nicht soviel Papierkram erledigen muss, so dass ich nicht zu lange am Computer sitzen musste, und ich vertiefte mich in mein neues Repertoire: Brittens Violinkonzert. Es ist wunderbar, wenn ich mal Zeit habe, um mich wirklich auf das Üben zu konzentrieren. Der ganze Akt des Übens wird zu einer Art Meditation, die mich beruhigt und mich von anderen Dingen ablenkt. Es ist interessant, ein neues Stück zu lernen. Es hilft mir, durch diesen Prozess zu gehen, weil ich dadurch verstehen und hervorheben kann, was meine Schüler durchmachen, wenn sie mit einem neuen Stück konfrontiert werden. Sie lernen ständig neue Werke, um ihr Repertoire zu erweitern, aber später in der Karriere verbringt man immer mehr Zeit damit, die alten Stücken neu zu lernen und zu erarbeiten. Ein neues Stück zu lernen ist so, als wenn meine Schüler ein neues Stück zum ersten Mal sehen und bringt mich auf Tipps, die ich ihnen geben kann. Es ist jetzt schon fast 10 Tage her, seit ich meine Schüler zum letzten Mal gesehen habe und ich vermisse sie schrecklich. Es kommt sehr selten vor, dass ich für eine so lange Zeit am Stück weg bin, weil ich normalerweise zwischendurch für einen Tag zurückkomme, wenn ich auf einer 10-tägigen Tournee bin. Ich schätze es sehr, wenn ich mit ihnen eine Unterrichtsstunde verbringen kann, und ich habe das Gefühl, dass mir etwas fehlt, wenn ich so lange weg bin. Ich denke ständig an sie; ich übe Passagen aus ihrem Repertoire und denke dabei an die Schwierigkeiten, die sie damit haben oder an andere Wege, die sie ausprobieren könnten. Nichtsdestoweniger verbringe ich in diesem Herbst zum ersten Mal fünf Tage am Stück in derselben Zeitzone, und das gibt mir ein wunderbar ausgeruhtes Gefühl. Wie dem auch sei, nach einer sehr intensiven Britten-Session am Vormittag gingen Ebi-chan und ich heute Mittag Tofu essen. Es war gut, aber ich muss sagen, dass ich heute kein Käsebrötchen hatte und der Meinung bin, dass ich das morgen nicht noch mal überspringen sollte! Das Orchester kam am späten Nachmittag an. Ich gab dem Bayerischen Fernsehen ein kurzes Interview, spielte mich dann für das Konzert warm, probte ein wenig, zog mich um und dann war das Konzert. Nach dem Konzert war wie üblich das Meet and Greet und jetzt gehe ich ins Bett. Morgen wird ein langer Tag. Nach dem Flug werde ich in Tokio direkt zur NHK Hall fahren, um mich auf die Aufnahme am Nachmittag vorzubereiten und auf das Konzert. Das NHK TV filmt die Nachmittagsprobe, für das wir wie im Konzert gekleidet sein müssen. Das Konzert wird auch für zukünftige Ausstrahlungen aufgezeichnet. Fliegen ermüdet immer mehr als Zugfahren, deswegen muss ich zusehen, dass ich heute genug Schlaf bekomme. Midori |
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21.
November Das Schöne am Frühaufstehen ist, dass man das, wenn auch täuschende, Gefühl bekommt, dass man Teil einer besonderen, privilegierten Welt ist, die die schlafenden Menschen nicht erfahren können! Ich stand heute morgen um 4:30 Uhr auf. Sogar im Haus meiner Großmutter, in dem alle einen eher unsteten Tagesablauf haben, war es noch ruhig. Ich entschloss mich, für ein paar Stunden zu lesen etwas, was ich schon die ganze Zeit tun wollte, seit ich in Japan bin, aber noch nicht dazu gekommen bin. Jedes Mal, wenn ich ein Buch zum Lesen in die Hand nahm, schlief ich ein. Heute, mit Mari auf meinem Schoß, las ich und las ich, und nun fühle ich mich zufriedener als in den vergangenen Tagen.
Ich nehme immer mehrere Bücher mit auf Reisen, lese aber auch gerne etwas, was mir über den Weg läuft. Ich lese gerne, aber man könnte auch sagen, dass ich Wörter liebe. Einfach das Lesen macht mir Spaß, und auch wenn der Inhalt ausschlaggebend ist, finde ich es toll, Wörter einer mir unbekannten Sprache anzustarren.
Auch auf dieser Reise habe ich wieder ein paar Bücher mitgenommen nur ein paar, weil ich weiß, dass ich hier in Japan immer etwas zu lesen finde. Meine Lesekenntnisse des Japanischen sind eher bescheiden, so dass mich Japanreisen immer dazu anregen, meine Kenntnisse aufzufrischen, und dafür in einen japanischen Buchladen gehen zu müssen, ist ein guter Anreiz!
Seit meinem Abschluss der New York University im September vermisse ich die Struktur, die ich mir immer für Lernzeiten vorgab. So bin ich auf dieser Reise entschlossen, diese Struktur beizubehalten und mir täglich drei Stunden Studienzeit einzurichten, außerhalb von üben, proben, Interviews und Meetings. Jetzt, wo ich keine Deadline und keinen Fokus habe, habe ich mich entschlossen, ein bisschen Geschichte zu studieren, besonders japanische Geschichte und zeitgenössische Musik (ich habe noch nicht herausgefunden, wie genau die beiden Dinge zusammenhängen).
So habe ich also in meinem Koffer zwei Sachbücher über japanische Geschichte eines davon ist ein japanisches Schulbuch -, ein Buch über zeitgenössische Musik, die Analekten Konfuzius, eine Autobiographie einer afrikanischen Prinzessin und ein Buch über Stricken. Diese Bücher halten mich eigentlich immer bei guter Laune.
Ich nahm den Zug nach Igakanbe in Mie. Es war noch früh, als ich in den Zug einstieg. Ich musste durch Kyoto, wo ich in den Super Express umstieg. Diesen Zug nach Kyoto nahm ich schon, als ich vor 1982 hier lebte. Es ist eine private Zuglinie, die von Kyoto nach Osaka führt. Ich musste am Rande Osakas aussteigen, und das Haus meiner Großmutter liegt nur 15 Minuten von der letzten zentralen Haltestelle von Osaka entfernt.
Ich dachte heute morgen darüber nach, was sich an der Zugfahrt zu damals verändert hat. Manche Stationen sahen aus, als ob kein Tag vergangen sei, seit ich das letzte Mal vor 23 Jahren durchfuhr, andere sahen aus wie Boten der neuesten Trends. Die Haltestelle in Hirakata Park war brandneu und anders konzipiert als die anderen. Hirakata Park war der Vergnügungspark und Streichelzoo meiner Kindheit und ich erinnere mich gerne daran, dass ich meine Mutter fragte, ob sie mir einen Esel als Haustier kaufen würde, so einen wie im Streichelzoo. Die Haltestelle an meinem damaligen Haus heißt Kuzuha, und hat sich nicht besonders verändert. Diese Station war immer sehr innovativ, da es immer ein Mini-Metropolis der Vorstadt von Osaka war. Vom Zug aus sah ich das Einkaufszentrum, in das ich als Kind mit meiner Mutter einkaufen ging, und dachte an die Modell-Lokomotive hinter den Mauern des Einkaufszentrums. Obwohl ich nicht ausstieg, spürte ich, dass die Atmosphäre in diesem Bahnhof sehr geschäftig und energiegeladen war. Zwei Stationen weiter, in Yawata, das nur zwei Minuten von Kuzuha entfernt ist, war auch alles, wie schon immer. Die Türen des Zuges öffneten sich, und man war 25 Jahre zurückversetzt. Wir waren umgeben von Bergen, und die Krähen krächzen und flogen gemächlich umher...
Ich musste in Kyoto umsteigen, aber das war kein Problem. Die Rush-hour-Menschenmassen sind ziemlich beeindruckend, aber ich versäumte es nicht, einige Fotos vom eindrucksvollen Kyotoer Bahnhof zu machen, der auch von Arata Isozaki entworfen wurde. Ich kam nach einer zweistündigen Fahrt um ca. 9:30 Uhr in Igakanbe an, und nach einer kurzen Taxifahrt erreichte ich die Grundschule.
Iga ist als Zentrum für Ninja bekannt. Ich glaube, heutzutage gibt es keine Ninjas mehr, aber es geht das Gerücht, dass, als zum Ende der Edo-Zeit Ninjas nicht mehr gebraucht wurden, diese in den Beruf der Polizisten, Mediziner oder Entwickler von Knallbonbons einstiegen.
Die Grundschule von Igakanbe ist eine kleine Schule in den Bergen. 102 Kinder aus der vierten, fünften und sechsten Klasse nahmen an der Gagaku-Vorführung teil. Die Musiker spielten circa eine Stunde, zwischendurch sprachen sie mit den Schülern. Gagaku hat einen wunderbaren, mystischen Wohlklang. Einige Kinder wurden ermutigt, nach vorne zu kommen und Instrumente auszuprobieren, und alle lernten ein Gagaku-Lied und einen Tanz. Die drei Musiker haben sich auf Sho, Hichiriki und Ryuteki spezialisiert, alle drei Holzblasinstrumente. Auf dem Sho kann man durch Ein- und Ausatmen Töne erzeugen. So gesehen ist das Sho vergleichbar mit einer Orgel. Außerdem können sechs Noten zugleich gespielt werden. Mit anderen Worten, Sho ist ein Holzblasinstrument, mit dem man gleichzeitig verschiedene Töne spielen kann.
Die Kinder schienen fasziniert von den neuen Klängen und der Erfahrung, die diese Musik mit sich brachte. Die Musik ist sehr heiter, aber man braucht viel Kraft und Energie, um den Instrumenten Töne zu entlocken.
Nach der Gagaku-Vorführung machte ich mich auf den Rückweg nach Tokio. Die Musiker bleiben noch in der Gegend, um morgen mit einem Music Sharing-Vertreter noch eine weitere Schule zu besuchen. Während der Music Sharing-Tournee gibt es jeden Tag Konzerte und Vorführungen, und es ist immer jemand aus dem Büro dabei. Diese Woche besucht das Gagaku-Team die Schulen, in denen ich vergangenen Juni aufgetreten bin.
Als ich in Tokyo ankam, ging ich schnell im Büro vorbei, um meine Sachen abzustellen. Die nächsten paar Tage habe ich offiziell frei, und außer ein paar Meetings habe ich nichts geplant. Das nächste Konzert ist erst Freitag. Ich brauche wirklich ein paar Tage Ruhe, da ich diesen Herbst ganz schön viel unterwegs war.
Meinen Kurz-Urlaub wollte ich ruhig angehen lassen, so besuchte ich eine enge Freundin, die im Krankenhaus liegt und sich zu Tode langweilt. Sie soll in ein paar Monaten ein Kind bekommen, und die Ärzte befürchten eine Frühgeburt und haben ihr Bettruhe verordnet. So besuchte ich sie, um sie ein wenig aufzuheitern und ihr eine etwas improvisierten Strickunterricht zu geben. Danach traf ich eine andere Freundin zum Abendessen und der Abend klang ruhig aus. Morgen treffe ich zum Frühstück noch eine andere Freundin (meine frühere Mitbewohnerin). Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage mit Besuchen und Ausruhen! Midori |
Kinder probieren das Sho aus
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20.
November 2005 Heute nacht schlief ich sehr gut, und langsam habe ich das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.
Das Auschecken aus dem Hotel dauerte heute eher lange. Dieses Wochenende ist Hauptsaison und Kyoto ist bis obenhin ausgebucht. Die Schlange zum Check-out reichte von der Rezeption bis zum Aufzug...
Weil wir schon ahnten, dass die Straßen voll sein würden, nahmen Ebi-chan und ich die U-Bahn zur Kyoto Concert Hall. Unser Hotel lag direkt am Hauptbahnhof von Kyoto und es machte Sinn, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, anstatt frustriert in einem Taxi im Stau zu stehen.
Es zahlt sich meistens aus, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren beim Bäcker im Bahnhof kaufte ich mir mein tägliches Käsebrot und, noch besser, ein paar Schritte weiter fanden wir einen Teeladen, der Grüner-Tee-Softeis anbietet. Sicher ist Softeis morgens um 8:30 Uhr sogar für uns etwas viel, und so wir merkten wir uns genau, wo der Laden ist, so dass wir nach dem Konzert wiederkommen könnten.
Kyoto ist für seine Teekultur und -produktion berühmt. Es gibt auch andere Orte in Japan, die durch ihren Tee bekannt sind, aber Kyoto erfreut sich aus verschiedenen Gründen einer besonderen Berühmtheit. Aufgegossenen grünen Tee mag ich eigentlich nicht so gern. Er ist immer ziemlich geschmacklos UND bitter zugleich, und ich bin immer wieder erstaunt, was für Preise die Menschen für gute Teeblätter bezahlen. Ich für meinen Teil mag den pulverisierten grünen Tee. Dies ist auch der Tee, der in der traditionellen Tee-Zeremonie benutzt wird, deren Ursprung bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Bevor sich die Teekultur zu einer Zeremonie entwickelte, wurde im 8. Jahrhundert Tee von chinesischen buddhistischen Mönchen eingeführt. Im späten 12. Jahrhundert wurde der Samen der Teepflanze erstmalig dort angebaut, wo heute Kyoto liegt. Tee wurde für seine heilsame Wirkung bekannt und verbreitete sich schnell im ganzen Land.
In Kyoto, wie auch in Nähe jedes Teeladens, kann man immer das würzige Aroma wahrnehmen, das beim Rösten der Teeblätter entsteht. Heute morgen atmete ich natürlich diesen wunderbaren Geruch ein und war glücklich. Ich bin ein besonderer Fan von Grünem-Tee-Eis (kein traditionelles japanisches Lebensmittel, aber sehr beliebt in Japan und im Ausland), aber nichts kommt an Grüner-Tee-Softeis heran!
Die Kyoto Concert Hall wurde 1995 fertiggestellt. Der Architekt Arata Isozaki entwarf sie im Rahmen der Bemühungen um eine Verjüngung der Stadt anlässlich ihres 1200. Geburtstages 1994. (Kyoto war einst die Hauptstadt Japans.) Ich habe erst einmal in diesem Saal gespielt, das war ein Rezital im Jahr 2000.
Mein Tag begann damit, zwei Journalisten zu sprechen, die das Orchester auf der Tournee begleiten. Sie schienen beide sehr daran interessiert, herauszufinden, wie und warum das japanische Publikum klassische Musik so sehr schätzt. Natürlich fragen sie mich das, aber ich kann es ihnen nicht wirklich beantworten. Ich kann ihnen ein bisschen meiner Couch-Philosophie anbieten, die wie folgt lautet:
1. Japan war bis 1853 politisch selbst-isoliert. Obwohl es so etwas wie eine westlich orientierte Subkultur gab, begann die Urbanisierung und Verwestlichung Japans erst, nachdem es von Kommodore Perry gezwungen wurde, die Häfen dem Handel zu öffnen. Zu dieser Zeit war Japan feudalistisch, aber die Verwestlichung verbreitete sich in einem enormen Tempo. Als sich die Häfen öffneten, bedeutete Modernisierung für die Japaner Verwestlichung. Einen kurzen Abriss der Geschichte klassischer Musik in Japan zu skizzieren, ist ziemlich interessant und, wie ich glaube, zudem Antwort auf eine Frage, die mir von Journalisten so oft gestellt wird.
Der erste Kontakt mit Europa kam 1543 durch portugiesische Missionare zustande. Das Christentum gewann bereits Mitte des 17. Jahrhunderts eine relativ große Zahl von Gläubigen (ca. 600.000), bei einer Einwohnerzahl von 12,2 Millionen. Natürlich betrachtete man das Christentum als Bedrohung des feudalen Systems, und es wurde damit einer der Hauptgründe für die Isolationspolitik der Regierung. Das Christentum überlebte und gedieh im Verborgenen, trotz der 250 Jahre Isolation. Musik wurde als essentieller Bestandteil der christlichen Religion bis zu einem gewissen Grad weiter gepflegt. Aber auch japanische Musik nahm eine bedeutende Stellung in der japanischen Kultur seit frühester Zeit ein, sowohl im sozialen, religiösen als auch politischen Kontext. Als sich Japan nach dem offiziellen Ende der Isolationspolitik öffnete, hatte es eine Alphabetisierungsrate von ca. 40% (1868), was verglichen mit einigen europäischen Ländern relativ gut war. Die Japaner gingen der Modernisierung mit offenen Armen entgegen. Diese neue Strömung hatte einen so starken Einfluss, dass sie kaum eine Chance hatte, organisch eingepasst zu werden. Was westlich war, wurde als solches angenommen und geschätzt, anstatt es vollständig in einem bereits existierenden System zu assimilieren. Bildungsreformen wurden vorangetrieben, und Verwestlichung wurde zu einer wichtigen Komponente geistiger Entwicklung. Seit 1873 gehörte Musik zum Fächerkanon in öffentlichen Schulen, und dies bedeutete in jedem Falle westliche Musik. So haben heute mehr japanische Kinder Mozart, Beethoven, Tschaikowski oder Wagner gehört als Kengyo Yatsuhashi, einen traditionellen japanischen Komponisten (1614-1685) [Bach wurde 1685 geboren!!!]).
Es ist bemerkenswert, dass der japanische Komponist Rentaro Taki (1879-1903) von 1901 an am Leipziger Konservatorium studierte. Das heißt, Taki war zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt, und die Öffnung Japans lag erst 48 Jahre zurück. Taki war vor allem Liedkomponist und sein Stil sehr an den Liedern Schuberts orientiert.
2. Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Japan die Tendenz, die tradionelle Kultur zu verleugnen. Dies war zum Teil eine psychologisch natürliche Reaktion, die aber auch von den Besatzungsmächten erzwungen wurde. Da sie die traditionelle Kultur verdächtigten, einem imperialistisch-nationalistischen Gedanken anzuhängen, wurde tradisionelle japanische Musik an den Schulen nicht mehr unterrichtet, wohl aber westliche Musik als Pflichtfach. So nahmen viele Kinder nach der Schule außer Lehrplanes Musikstunden. Tatsächlich sind Klavierstunden eine der populärsten außerschulischen Aktivitäten in Japan, während Unterricht auf den tradisionellen Instrumenten nicht dazugehört. Erst in den letzten vier Jahren wurde traditionelle japanische Musik wieder Pflicht in den Schulen. Dadurch wollen die Bildungsreformer das Bewusstsein nationalen Identität stärken. Es ist eine schwierige Aufgabe, denn die meisten Eltern und Lehrer wurden nicht in dieser Musik ausgebildet.
3. Verwestlichung wurde in Japan nicht forciert. Sie kam nicht daher, dass die westlichen Mächte es aufgezwungen hätten, sondern es war ein Trend, der von den Japanern motiviert und mit offenen Armen angenommen wurde.
Okay. Genug von meinem Versuch, die Fragen des Journalisten zu beantworten.
Das Konzert war vormittags, und nach dem obligatorischen Meet & Greet gingen Ebi-chan und ich zum Kyotoer Bahnhof, um Softeis zu essen. Wir wurden nicht enttäuscht es war exzellent!
Danach fuhr Ebi-chan zurück nach Tokio, und ich zurück zum Haus meiner Großmutter in Moriguchi City. Gerade habe ich ein wunderbares Mahl gegessen, das meine Tante zubereitet hat, und trinke schwarzen Tee mit Milch. Meine Tante verwendet viel Zeit und Mühe darauf, schwarzen Tee zuzubereiten, und ich trinke ihn immer nach dem Abendessen. Es ist noch früh, aber ich werde bald zu Bett gehen. Morgen muss ich sehr früh zu einer Grundschule in Mie. Music Sharing, meine offizielle Outreach-Organisation in Japan, bringt den Schulkindern derzeit traditionelle japanische Hofmusik nahe. Ich war bereits letztes Juni in dieser Schule, und morgen werde ich meinen Gagaku (Höfische Musik)-Kollegen zuhören. Midori |
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November 2005 Wir verließen das Hotel um kürz vor sechs in der Früh. Die Straßen waren nicht so ruhig wie wir gedacht hatten. Ehrlich gesagt hatten wir angenommen, dass die Straßen um diese Uhrzeit total einsam wären, aber scheinbar nicht in Fukuoka. Das Nachtleben neigte sich dem Ende zu, passend zum Sonnenaufgang. Ebi-chan und ich kauften am Bahnhof ein paar Mitbringsel. Ihr 11-jähriger Sohn hatte sich würzig marinierten Fischrogen (ähnlich wie Kaviar) gewünscht, eine Spezialität aus Fukuoka. Ich kaufte auch welchen für meine Großmutter und meine Tante, die wir später zum Abendessen sehen sollten. Die Zugfahrt von Fukuoka nach Kobe dauerte etwas zwei Stunden und von dort aus brachte uns ein Taxi in 15 Minuten zum neu eröffneten Hyogo Performing Arts Center. Die gesamte Gegend wurde im Januar 1995 von einem von dem Hanshin Erdbeben (7,2 auf der Richter-Skala) in Trümmer gelegt. (Zufälligerweise war ich zu der Zeit auf Deutschlandtournee. Über 6000 Menschen kamen ums Leben.) Einige Zeit später erlangte ein verheerendes Zugunglück nationale Aufmerksamkeit. Die Amagasaki-Tragödie fand ganz in der Nähe von Nishinomiya statt, dem Bahnhof des Arts Center.(Über 100 Menschen kamen ums Leben, über 550 wurden verletzt und viele mehr leiden noch heute unter dem Trauma.) Um mit den Worten von Nobumitsu Hayashi, dem Direktor des Hyogo Performing Arts Center zu sprechen, symbolisiert das Center den Wiederaufbau und das Überstehen der Tragödien. Obwohl die Halle ganz in der Nähe von Osaka liegt, genauer gesagt nur 12 Minuten mit der Bahn, kommen die Besucher eher aus dem Einzugsgebiet von Hyogo, als aus den benachbarten Orten Osaka, Okayama, Tottori und Kyoto. Mehr als 70 Prozent der Besucher kommen aus Hyogo. Zwar erst drei Wochen alt, ist es klar, dass das Center mit der Zeit weiterhin sein Einzugsgebiet vergrößern wird. Als wir ankamen, gab Herr Hayashi mir eine Privatführung durch das Center. Da er früher an der Symphony Hall in Osaka tätig war, kenne ich ihn seit ich 15 bin. In der Halle ist eine unglaubliche Menge Mahagoni verarbeitet worden. Es gibt in Japan übrigens keine andere Halle, die wegen der Feuerbestimmungen mit so viel Holz bauen durfte. Ein kurz zuvor erlassenes Gesetz ermöglichte es. Der Saal mit 2000 Plätzen kann für Symphoniekonzerte, Kammermusik und Oper genutzt werden. Als wir durch das Center streiften, spürte ich wie stolz Herr Hayashi auf dieses Kulturzentrum ist, in der Gegend, in der er geboren wurde, aufwuchs und heute noch lebt. Sein größter Stolz jedoch sind ausgerechnet die Damentoiletten. Das Center als öffentliche Einrichtung sollte benutzerfreundlich sein, besonders für Frauen, die kleine Kinder mit zu den Veranstaltungen bringen. Besonders interessierte mich die umweltfreundliche Planung des Centers. Es gibt Solarzellen, die es mit na türlicher elektrischer Kraft versorgt sowie Wasserspeicher. Übrigens muss ich hinzufügen, dass ich meine ersten beiden Lebensjahre in dieser Gegend verbrachte, in Ashiya City. Natürlich erinnere ich mich überhaupt nicht daran und bin mir sicher, dass sich seitdem wahnsinnig viel verändert hat. Das Konzert sollte um 16 Uhr sein und in der zweiten Hälfte des Konzerts fuhren Ebi-chan und ich mit dem Auto zu einer 20 Minuten entfernten Konditorei. Dieser Laden wurde für sein Baumkuchen berühmt, aber mein Favorit sind die Rose Cookies. Ebi-chan und ich hatten uns schon auf diese Kekse gefreut und es führte kein Weg daran vorbei, die Gegend ohne ein paar mehr Cookies zu verlassen. Das war das erste Mal, dass ich zu dieser Konditorei ging; meine ehemalige Zimmergenossin in New York brachte sie mir immer mit und es war etwas besonderes, in genau den Laden zu kommen. Ebi-chan und ich fanden, dass sich der Weg gelohnt hat! Nach dem Konzert war wie immer das Meet & Greet und danach waren wir bei meiner Großmutter zum Abendessen. Ich war halb verhungert und so bald ich mir den Magen vollgeschlagen hatte, konnte ich kaum noch die Augen offen halten. Da das Konzert schon um 16 Uhr gewesen war, hatte ich kein Nickerchen machen können, zum ersten mal seit wir in Japan sind. Aber das musste ich ausbaden! Mein Kopf fiel beinahe in den Teller, also legte ich mich in die Hände des Su-I-Ma-Sandmannes. Da ich nicht geplant hatte, bei meiner Großmutter zu übernachten, fuhren wir zurück zum Zug nach Kyoto. Kyoto ist nicht weit vom Haus meiner Großmutter entfernt und da wir mit dem Express fuhren, dauerte es nur 40 Minuten. Ebi-chan und ich schliefen auf der Fahrt ein und wachten bei jedem Halt auf vor Angst, die richtige Station zu verpassen. Das passierte glücklicherweise nicht und so erreichten wir das Hotel in Kyoto, sicher und schnell. Ich muss gestehen, dass ich diesen Eintrag am Morgen des 20. November schreibe. Wir haben heute ein Konzert in Kyoto. Ich fühle mich gut, da ich das Gefühl habe, zum ersten Mal seit der Ankunft in Japan erholsamen Schlaf gehabt zu haben. Der Jetlag ist endlich Geschichte. Midori |
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18.
November 2005 Eine der Herausforderungen, wenn man viel unterwegs ist, ist, sich an die innere Unruhe des Nicht-Sesshaften zu gewöhnen. Physisch gesprochen heißt das, dass aufzustehen und die Füße fest auf dem Boden zu spüren, sich schon ungewohnt anfühlt. Ich fühle mich nicht schwindelig oder so, aber es ist in jeder neuen Umgebung unterschiedlich. Vielleicht hat es etwas mit dem Breitengrad zu tun, und wenn dem so ist, gibt es nichts, was ich dagegen tun könnte. Außerdem sind da noch die Geräusche. Die Geräusche jeder Stadt sind verschieden, unabhängig von der jeweiligen Sprache, die dort gesprochen wird. Zum Beispiel sind die Geräusche in Fukuoka wunderbar grollend, die sich aus der Kombination vieler verschiedener Geräusche zusammensetzen. Manchmal erinnert es mich an andere Häfen, die ich kenne, manchmal an das Geräusch von Schnee, der in dem Hauch aus Menschenmündern verschwindet, an den traditionellen Eintopf, der langsam auf dem Feuer gekocht wird, usw. Man weiß nie, was es zu dem macht, was es ist.
Verschiedene Säle, verschiedene Lichter, verschiedene Zeitzonen, verschiedene Gerüche und besonders wichtig verschiedene Kissen und Bettdecken dies sind alles Komponenten, die einem reisenden Künstler das unvermeidliche Gefühl von Verlorenheit geben. Ein interessantes Beispiel dafür waren gestern die Stühle, auf denen das Orchester in Fukui saß. Plötzlich schienen sie alle kleiner, als ich sie aus München in Erinnerung hatte. Die Stühle waren niedriger und dementsprechend wirkten ihre Größen anders, hinzu kam dann noch meine leichte Kurzsichtigkeit. Wo ich die Bratsche erwartete (also das Instrument), schaute ich stattdessen in die Augen des Solobratschisten.
Wie gewöhnt sich ein Künstler schnell an eine neue Atmosphäre, und vor allem, wie mache ich es? Ein wichtiger Bestandteil des Auftretens ist, sich den Raum zueigen zu machen. Den Raum zu erobern und zu erfüllen, ermöglicht es mir, mich verständlich zu machen. Wenn man sich in einem Saal wohlfühlt, kann man sich fallen lassen und es ist möglich, an diesem bestimmten Ort zu musizieren.
Ich habe immerhin mein eigenes Instrument, und es beruhigt mich, es immer in meinen Händen zu wissen. In diesem Fall dient das Instrument als eine Art erdende Kraft in einem Meer des Ungewissen. Aber das Orchester kommt manchmal erst sehr knapp vor Probenbeginn an und findet die Instrumente schon ausgepackt vor, bereit zum Aufwärmen. In Fukui kamen die Instrumente direkt aus München an und waren seit dem vorigen Montag morgen eingepackt gewesen. Da die Instrumente unabhängig von ihren Musikern reisten, wurden Musiker und Instrumente erst am Donnerstag wieder zusammengebracht, weit weg von ihrer Heimat um circa 16:00 Uhr, mit Probenbeginn um 17:15 Uhr und dem Konzert um 19:00 Uhr. Dafür benötigt man jedermanns äußerste Konzentration, dass es im Konzert klappt.
Ich entschied mich, den ganzen Tag in meiner Garderobe zu verbringen. Dort konnte ich mich ausbreiten, üben, mich wieder mit meinem Klang vertraut machen, die Luft des Konzertsaals schnuppern und einfach zu einem Teil des Ortes werden. Einfach gesagt, ich gewöhne mich an die neue Umgebung. Ich denke, die hiesigen Konzertsäle sind ein berufliches Zuhause, also ist daran nichts Ungewöhnliches.
Nun bin ich also hier in meiner Garderobe in Fukuoka und schreibe dieses Tagebuch.
Diesen Morgen verschlief ich und verpasste fast den Zug in Osaka, schaffte es aber noch so gerade. Ich mache immer eine kleine Mittagspause, um etwas Lokales zu essen, so auch heute am Bahnhof in Fukuoka. Meistens schaffe ich es nur in einen Supermarkt und nehme regionale Lebensmittel mit, die ich nicht kochen muss. Fukuoka ist eine einzigartige Stadt. Wahrscheinlich ist es Luftlinie der nachstgelegene Ort zu der koreanischen Stadt Pusan. Hier ist eine andere Art von Energie, und das exzellente Essen ist sehr bekannt. Es gibt viele Spezialitäten in Fukuoka, Süßigkeiten, Meeresfrüchte, Nudeln (Ramen) und überall gibt es offene Bauernmärkte. Wenn man ins Einkaufszentrum geht, wird man sofort von verschiedenen Verkäufern umlagert und jeder versucht, einen zu überzeugen, dass er besser ist als der andere. Das hat nicht viel mit organisiertem, ruhigem und höflichem Verkauf zu tun, stattdessen damit, riesig Furore zu machen. Es ist sehr aufregend. Allein das Zuschauen ist ein Erlebnis für sich.
Wieder wurde ich unglaublich müde die Japaner nennen es Su-I-ma gegen 15:30 Uhr. Su-I-ma bedeutet, direkt übersetzt, müder Geist / Teufel. Ich machte ein kurzes Nickerchen auf dem Sofa, und als Ebi-chan mich weckte, fühlte ich mich, als ob ich nur eine Sekunde geschlafen hätte. Nachdem sie mich nach fünf Minuten noch mal anrief, bat ich sie, mir einen Café Latte zu besorgen und hoffte, dass der nächste Anruf erst kommen würde, wenn sie zurück ist nicht nach nur drei Minuten. Sie war sehr beeindruckt, dass ich keinen zweiten Weckanruf brauchte.
Das Konzert begann um 19 Uhr, nach einer Probe um 17.15 Uhr. Mariss ging sehr sorgfältig die Einzelheiten für Berlioz' Symphonie Fantastique durch. All das ist äußerst aufwendig mit der Regie und den TV-Monitoren zu koordinieren. Nach einem kurzen Durchlauf des Sibelius stand fast schon das eigentliche Konzert an. Erfreut stellte ich fest, dass der Solobratschist auf seinem Stuhl ein bisschen größer aussah als gestern.
Nach dem Konzert, das mit sehr herzlichem Applaus vom Publikum aufgenommen wurde, begab ich mich ins Foyer, um Fans zu treffen. Jetzt ist es Zeit, sich ins Nachtleben von Fukuoka zu stürzen. Zunächst will ich aber etwas zu essen auftreiben. Morgen mehr! Midori |
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17.
November 2005
Planänderungen" scheinen die Oberhand gewonnen zu haben, zumindest zu Beginn dieser Tournee. Ich verbrachte die drei Tage in New York, um Verschiedenes zu erledigen und die Zeit raste vorbei. Mein Flug ging Dienstag morgen und als ich meinen Platz im Flugzeug von New York nach Chicago eingenommen hatte, von wo ich den direkten Anschlussflug nach Kansai Airport in Osaka nehmen sollte, fiel ich in Tiefschlaf. Als ich mich zum nächsten Teil der Reise, dem 13-stündigen Transpazifik-Flug schleppte, erfuhr ich bestürzt, dass der Flug aufgrund eines mechanischen Problems Verspätung haben würde und noch nicht sicher sei, wann wir starten würden. Am Ende musste die Fluggesellschaft ein anderes Flugzeug einsetzen und wir starteten mit einer circa 3-stündigen Verspätung.
Erschöpft kam ich am Kansai Airport an. Während ich auf das Gepäck wartete, entschied ich mich dagegen, direkt den Zug nach Fukui zu nehmen. Das Orchester, das bereits einen Tag zuvor in Tokyo gelandet war, kam ohnehin erst am Tag des Konzertes in Fukui an. Wenn ich den Zug am frühen Morgen nach Fukui nähme, würde ich immer noch vor dem Orchester ankommen. So rief ich schnell meine Großmutter an, um zu fragen, ob mein Manager und ich bei ihr übernachten könnten. Natürlich sagte sie ja, da meine Mutter sie schon vorgewarnt hatte, nachdem sie meinen Anruf aus Chicago erhalten hatte. Sie erwartete, dass ich zu müde sein würde, um den Zug zu nehmen und dass ich nur noch von meiner Tante (die bei meiner Großmutter lebt) verwöhnt werden und dann direkt ins Bett gehen wolle, mit Mari, dem Hund meiner Großmutter.
So erwachte ich am nächsten Morgen erholt und verließ das Haus, um den Zug von Osaka nach Fukui zu nehmen. Das Haus meiner Großmutter liegt ziemlich zentral, und es ist toll, einen Ort für solche Fälle zur Verfügung zu haben!
Am Bahnhof von Osaka wimmelte es nur so von Pendlern. Die Luft ist noch nicht klirrend kalt, aber so, dass es in die Kleidung kriecht. Im Gegensatz dazu war es im Zug mollig warm. Mein Manager, Ebi-chan, und ich nickten für die zweistündige Fahrt ein.
Fukui ist eine Stadt mit ungefähr 250.000 Einwohnern. Der heutige Saal, die Harmony Hall, wurde im September 1997 gebaut und hat etwas mehr als 1400 Sitzplätze.
Es war viel kälter in Fukui, und Ebi-chan und ich nahmen uns schnell ein Taxi zum Saal, der sich ein wenig außerhalb der Stadt befindet. Zu unserem Entsetzen herrschte reger Verkehr. Für eine Strecke, für die wir normalerweise eine Viertelstunde brauchen, brauchten wir nun eine Stunde und waren noch immer nicht in der Nähe des Saals. Was passiert hier??!! Für eine kleine Stadt wie Fukui ist eine Wiedereröffnung eines Einkaufszentrums eine Großveranstaltung und es bewirkte, dass alle Hauptstraßen überfüllt waren mit Menschen, die von den Sonderangeboten der neuen Geschäfte profitieren wollten.
Schließlich erreichten wir den Saal über Seitenstraßen. In der Nähe des Veranstaltungsortes wechselten sich Reisfelder mit Autohändlerbuden ab. Was für eine sonderbare Kombination! Die Fukui Harmony Hall war eine der über tausend Säle / Kulturzentren, die in Japan in den 90ern entstanden (ungefähr genauso viele wurden in den Vereinigten Staaten in den 80ern gebaut; heute gibt es in den USA ungefähr 9000 Säle / Kulturzentren, aber Japan hat die Größe von Kalifornien!!!). Heute gibt es über 3000 Säle in Japan.
Harmony Hall ist ein eindrucksvolles Gebäude, sowohl von außen als auch von innen. Die Haupthalle hat die Form eines Schuhkartons, ist holzverkleidet, was eine warme Atmosphäre schafft, und eindrucksvolle Kronleuchter, die die Decke zieren. Ihr ganzer Stolz ist ihre Orgel (die wir natürlich nicht benutzen) mit über 5000 Pfeifen. Die Harmony Hall beherbergt unter anderem einen Kammermusiksaal, ein Informationszentrum (mit DVDs, Musikbüchern, Magazinen, Partituren, CDs etc.), eine Kunstgalerie und eine Open-Air-Arena. Sie haben auch Cembali und Marimbas für Unterrichtszwecke, denn Fukui ist eines der nationalen Zentren für diese Instrumente. In der Tat sind ihre Marimbas weltberühmt. Zudem haben sie nicht am Erwerb von Kunstwerken für die Räume und Wände gespart, mit Beiträgen von japanischen und ausländischen Künstlern. Zu den Hauptkunstwerken im Foyer ist ein beeindruckendes Werk von Raoul Dufy.
Indes, was mir von diesem Ort am meisten im Gedächtnis bleiben wird, ist der eigene niedliche Bahnhof. Dieser wurde, so klein und süß, wie er ist, kurz vor Eröffnung der Halle mitten in einem Reisfeld erbaut. DAS ist eindrucksvoll! Fukui ist eine Stadt, die sogar einen eigenen Bahnhof für sein Kulturzentrum beherbergt!
Kurz vor der Probe hatte ich eine wahnsinnige Müdigkeitsattacke dank Jetlag. Ich hatte das schon erwartet, denn es war beinahe 2 Uhr früh in New York und erst 16 Uhr in Japan. Die Probe sollte um 17.15 Uhr sein, also machte ich für 45 Minuten ein schnelles Nickerchen. Ebi-chan musste mich ein paarmal aufwecken, zuerst sagte sie, okay, ich gebe dir noch 5 Minuten, daraus wurde dann okay, noch 3 Minuten, dann nur noch eine und am Ende JETZT oder es passiert was!. Ich kenne sie schon so lange, und ihr Weckruf ist beim ersten mal nicht sehr wirksam, genau wie bei meiner Mutter, bei der es auch nie beim ersten Mal klappt!
Nach dem Konzert fuhren wir mit dem Zug wieder nach Osaka. Ich hatte herausgefunden, dass Ebi-chan plante, mit dem Zug nach Fukuoka zu kommen und nicht zu fliegen, und ich wollte mit ihr mit. Also, um den morgigen Reisetag zu vereinfachen, nahmen wir gleich den letzten Zug nach Osaka, von wo aus uns morgen der Frühzug nach Fukuoka bringen würde eine weitere Planänderung!
Wir haben es gerade noch geschafft, am Bahnhof unser Softeis zu genießen, ehe wir in den Zug mussten. Ich liebe dieses Softeis. Ich habe außerhalb von Japan so etwas noch nie gegessen. Es sieht aus wie Frozen Yogurt, aber es schmeckt eher nach Gelato. Manchmal habe ich das, was in den USA als soft-serve ice cream bezeichnet wird, probiert, aber nichts übertrifft das Softeis in Japan! Ach ja, und nach dem Softeis haben wir noch ein schnelles Nudel-Abendessen geschafft.
Im Zug dösten
wir und in Osaka Licht aus! |
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11. November 2005 Während meines kurzen Aufenthaltes in München gab es zwei Proben und zwei Konzerte. Ich bin erst seit Dienstag Nachmittag hier, fliege morgen zurück nach New York und treffe das Orchester dann am Mittwoch in Japan.
Man spürt die große Aufregung im Orchester. Zum ersten Mal zusammen mit Mariss Jansons auf Tournee, scheinen die Mitgleider beinahe berauscht zu sein. Die Koffer werden gepackt und überall kann man sehen, dass die Tour bald losgeht. In der Kantine liegen Ablaufpläne herum, die Liste der Tourneedaten hängt an der Tür, Reisedokumente werden vorbereitet. Kommenden Montag, wenn das Orchester abgereist ist, wird der Herkulessaal ganz verwaist sein - keine Menschen, keine Instrumente und keine vergessenene Konzertkleidung.
Das letzte Mal, dass ich Solist bei diesem Orchester war, ist lange her, 16 Jahre, um genau zu sein. Dies ist eine schöne Wiedervereinigung, und ich freue mich sehr auf die Tour durch Japan. Mit diesem Orchester und unter der Leitung von Mariss zu spielen ich war mit ihm und dem Pittsburgh Symphony Orchestra 2002 auf Tour in Japan ist etwas ganz besonderes. Abgesehen davon ist jetzt die vielleicht beste Zeit des Jahres, Japan zu besuchen, nachdem die große Hitze des Sommers abgeklungen ist, und noch ehe der weihnachtliche Kaufrausch beginnt. Das erste Mal in meinem Leben werde ich in Fukui (unserer ersten Station) und Toyama ein Konzert geben, und in Hyogo gibt es eine neue Halle dort bin ich noch nie gewesen.
Mariss und ich arbeiten sehr produktiv zusammen. Wir sind beide sehr organisiert und pragmatisch. Immer direkt auf den Punkt - es gibt kein um den heißen Brei herumreden, dem unsere Proben unterliegen müssten. Wir sagen, was wir denken, klar und deutlich. Und, was ich noch mehr an ihm schätze, ist, dass er immer etwas noch Besseres anstrebt und dass er, genauso wie ich, immer an morgen denkt und das morgige Konzert.
Ich traf Mariss zum ersten Mal Ende der 80er Jahre in Oslo. Oslo war eine für mich neue Stadt, und da es Ende November war, war meine Stimmung trübe, beeinflusst von dem wenigen Tageslicht in Skandinavien. Es war so düster draußen, und ich erinnere mich daran, welche Freude ich nach den Proben zu Bartóks zweiten Konzert empfand. Jansons war ein Dirigent, der mich zu Spitzenleistungen inspirierte und der es wagte, das Werk in einem Konzert herauszufordern. Wenig später, 1989, waren wir zusammen in Pittsburgh. Es war sowohl sein Debüt bei dem Orchester als auch das meinige. Wir spielten Sibelius' Violinkonzert, genau das Stück, das wir auf der Tour durch Japan spielen werden. Von da an hatte ich die Möglichkeit, mit unterschiedlichsten Programmen mit ihm zu arbeiten, und ich war stets froh, mit ihm auf der Bühne zu stehen.
Vor jedem Konzert in München kam Mariss auf die Bühne, ehe das Publikum einglassen wurde, prüfte die Höhe seines Pultes und wechselte einige Worte mit mir, die ich mich auf der Bühne warmspielte. Wie in jedem anderen Konzert wird alles sehr ernst genommen. 45 Minuten später verstummt das Publikum, als Mariss sein Podest betritt, um den Prokofieff zu beginnen. Im Gegensatz zur detaillierten Kontrolle, die Jansons vor dem Konzert an den Tag legte, gibt er sich jetzt der Musik völlig hin, reisst das Orchester mit, und steigt zu neuen Höhen auf. Alles lauscht intensiv, so auch das Publikum, und wir alle sind durchtränkt mit Prokofieffs Musik. Für eine Weile gibt es keinen anderen Ausführenen, keinen anderen Komponisten, kein anderes Publikum.
In Japan spielt das Orchester 6 verschiedene Programme mit zwei Solisten: Yefim Bronfman und mir. Fima spielt Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 und ich Sibelius und Prokofieffs 1. Violinkonzert. Wir haben einen vollgepackte Reiseplan. Abgesehen von ein paar Tagen hier oder dort, ist fast jeden Tag ein Konzert, verbunden mit der Anreise.
Wie bereitet man sich physisch und psychisch auf solch eine Leistung vor? Besonders die Orchestermitglieder, die sich mit einer Kultur bekanntmachen müssen, die dem Ruf nach so anders ist als die ihre. Ich wenigstens reise ja oft genug nach Japan und spreche auch die Sprache. Unsere Tage werden mit Überraschungen und auch einigen Lachern gefüllt sein, da bin ich sicher. Manches könnte uns nachdenklich stimmen, manche kulturellen Erfahrungen werden uns nicht nur staunen lassen, sondern nostalgisch an alte Zeiten denken lassen. Wir werden sehen, was diese Tour in den nächsten zwei Wochen neben dem Musizieren für uns bereithalten wird.
Ich begrüße Fragen meiner Leser über diese Tour. Bitte emailen Sie mir, ich freue mich darauf, Ihnen einen Einblick in das Leben On the Road zu geben.
Midori |
![]() Herkulessaal, Munich |
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![]() with Mariss Jansons, Munich |
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![]() |
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![]() photo: Axel Nickolaus www.festivalfoto.de |
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| Schleswig-Holstein
Musik Festival Meisterkurs Midori 25. - 29. Juli 2005 Japan - Inseln der Klänge" hieß das Motto des Schleswig-Holstein Musik Festival 2005 und so durfte natürlich Midori nicht fehlen. Neben dem Meisterkurs in der Musikhochschule Lübeck war sie sowohl als Solistin des Schleswig-Holstein Festival Orchesters zu hören als auch in zwei Solo-Abenden mit Charles Abramovic. Bereits im Vorfeld des Kurses wurde klar, dass Midori sehr genaue Vorstellungen für den Kursverlauf hatte. Solo-Repertoire und Kammermusik standen gleichermaßen auf dem Programm und die interessierte Öffentlichkeit konnte sich in zwei public classes einen Eindruck von Midoris hochintensivem Unterricht verschaffen - und war beeindruckt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Korbinian Altenberger aus Deutschland, Marijke Toeningk und Karel Bredenhorst aus den Niederlanden, Dorian Xhoxhi aus Albanien, Maisa Nakazato und Nao Yamada aus Japan, Tiffany Butt aus Kanada und Tomas Cotik Argentinien. Sie reisten am 24.7. an, konnten sich in einem ersten Treffen kennen lernen und mit der Pianistin des Kurses, Marianna Shirinyan, bekannt machen. (Der Pechvogel des Kurses war Keisuke Okazaki, der leider am zweiten Kurstag wegen eines Nierensteins ins Krankenhaus musste). Die Musikhochschule Lübeck, bestehend aus fast dreißig alten Patrizier- und Kaufmannshäusern im Zentrum der Hansestadt, bot ideale Übemöglichkeiten und mit den schonen Innenhöfen das richtige Ambiente. Die sogenannten Übezellen" sind allerdings in diesem Häuserlabyrinth nicht immer gleich zu finden und man muss auch zugeben, dass es in den Räumen mangels Klimaanlage an warmen Tagen auch schnell sehr warm wurde. Es ist ein lange bestehender Irrglaube, dass es in Deutschlands Norden nicht so heiß wird wie anderswo. Um es gleich vorweg zu sagen: Midoris Arbeitspensum in dieser Woche hat alle ungläubig staunen lassen. Täglich Unterricht von morgens um 8:00 Uhr bis abends 22:30 Uhr. Vor- und nachher hat sie dann geübt und spät in der Nacht meist das verblüffte Reinigungspersonal getroffen. Hinzu kam die Belagerung durch die Medien, eine ganze Reihe von Berichten in den regionalen Zeitungen erschien und N3-Fernsehen drehte den ganzen Tag in der Hochschule. Trotz eines so vollen Tagesplans nahm Midori sich Zeit für ein Fernseh-Interview, länger als beabsichtigt beantwortete sie Fragen, bevor sie sich schließlich noch schnell ein paar Minuten zum Essen gönnte. Nach den fünf Arbeitstagen fand am 29. 7. abends das Abschlusskonzert im Großen Saal der Musikhochschule statt. Auch dieser Freitag sollte ein langer Tag werden. Am Morgen gab es noch Unterricht sowie eine Generalprobe, sozusagen den letzten Feinschliff. Da Midori bei allen drei Kammermusikwerken, Mendelssohns Quartett op. 13, Mozarts Es-Dur Klavierquartett sowie das Klaviertrio von Leon Kirchner, die erste Violine spielte, war sie auch beim Konzert fast ununterbrochen im Einsatz. Trotzdem ließ sie es sich nicht nehmen, die Solostücke ihrer Teilnehmer anzuhören. Höhepunkt des fast dreistündigen Konzertabends war das Streichquartett von Mendelssohn. Kurz vor Ende des letzten Satzes riss Midori eine Seite, so dass nach kurzer Pause der dritte Satz noch einmal gespielt wurde - für die begeisterten Zuhörer kein Problem. Im Anschluss wurde dann im Innenhof bis 2:00 Uhr gefeiert, noch einmal Kurs und Konzert Revue passieren lassen. Als die Studenten sich dann langsam auf den Weg ins Bett machten, packte Midori im Meisterkursbüro die Geige aus und spielte langsam, wie zur Entspannung nach einem langen Tag, Tonleitern! Ich kann nur hoffen, dass sie dies bald wieder tun wird. September 2005 |
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| Bekenntnisse
einer Geigerin
Was bisher über
Midori von den Agenturen und Medien verbreitet wurde, klang immer wunderbar,
im wahrsten Sinne des Wortes. Mit einer außergewöhnlichen Begabung
gesegnet, machte Midori die Bilderbuchkarriere eines Wunderkindes".
Doch die Autorin holt den Leser schnell auf den Boden zurück. Sicher
findet man hier aus erster Hand alle wesentlichen Ereignisse und biografischen
Daten zur Traumkarriere, auch schöne Bilder fehlen nicht. Doch Midori
blickt seltsam nüchtern auf ihr in jeder Hinsicht außergewöhnliches
Leben. Und schnell merkt der Leser, dass es hier noch um ganz andere Dinge
geht, nämlich um Abgründe und höhere Ziele. Da kommt die
Scheidung der Eltern zur Sprache, da geht es um Leistungsdruck und zwanghaften
Perfektionismus, um Essstörungen, schwere Depressionen mit Selbsthass
und Todessehnsucht, den totalen Zusammenbruch und die Einweisung in die
Psychiatrie. Das macht betroffen. Man könnte all das kaum ertragen,
wenn man nicht auch erfahren würde, wie Midori ihre Krankheit überwunden
und sich neue Ziele und Prioritäten gesetzt hat. Am Ende fragt sich
der Leser, warum die Künstlerin in dieser schonungslos offenen Weise
an die Öffentlichkeit getreten ist. Schrieb sie sich ihre Krankheit
von der Seele, um endgültig damit abzuschließen? Wollte sie
auf die Gefahren und Schattenseiten des einsamen und oft zermürbenden
Solistenlebens aufmerksam machen? Letztlich hat man, zum Glück, nicht
den Eindruck, dass hier PR-Interessen ein maßgebliches Motiv waren.
Dazu ist diese Biographie inhaltlich zu hart, sie entzaubert geradezu
radikal alle Blütenträume vom Glanz einer Wunderkind-Karriere.
Dieses Buch sollte eine Pflichtlektüre sein für Eltern und Lehrer,
denen hochbegabte Kinder anvertraut sind. Denn so deutlich hat lange niemand
auf die Gefahren von Ehrgeiz und Leistungsdruck hingewiesen. Respekt! Man kennt sie nur unter ihrem Vornamen: Midori. Das klingt so selbstverständlich, vertraut und doch auch ein bisschen mythenschwanger, wie dies sonst nur bei Markennamen der Pop-Kultur üblich ist. Und tatsächlich war Midori in den achtziger Jahren und auch noch später eines jener Klassik-Wunder, das die Grenzen zum Pop in Frage stellte. Neben Anne-Sophie Mutter war sie eine der ersten jungen Stargeigerinnen. Und weil hochtalentierte klassische Musiker aus dem asiatischen Raum uns noch mysteriöser erscheinen als europäische, hat Midori nun eine Autobiografie geschrieben, in der sie offen und unbekümmert über ihre Karriere, aber auch über Privates plaudert ("Einfach Midori", Henschel Verlag). Auch hier bestechen Ehrlichkeit und Bescheidenheit, die ihr ganzes privates und musikalisches Leben zu bestimmen scheinen. "Ich kann gar nichts anderes sein als ich selbst", sagte sie einmal. Im Gegensatz zu vielen in den USA groß gewordenen Musikern wirken ihre Interviews noch heute wie private Gespräche. Wo andere perfekte PR-Texte abspulen, wirkt sie unsicher, denkt nach, redet nach bestem Gewissen. Vielleicht hängt dies auch damit zusammen, dass sie bereits mit elf Jahren nach New York kam, um an der legendären Juilliard School zu studieren, und dort auch gleich auf die ebenso legendäre Geigenpadägogin Dorothy DeLay traf. Midori konnte zwar so gut wie kein Englisch; aber ihr musikalisches Talent war doch überdeutlich erkennbar. Was nicht nur Freude auslöste. Am schlimmsten waren die Samstage, berichtet Midori, wenn eine ganze Schar von Eltern ihre Kinder herankarrten, um sie einem der Professoren vorzustellen: Da wurde misstrauisch die Konkurrenz beäugt. Aber wenigstens unter der Woche hatte Midori ihre Ruhe. Die Klasse war mit neun Schülern relativ klein, und keiner war übermäßig ehrgeizig. Was die junge Japanerin jedoch am meisten überraschte, war die Tatsache, dass die Schüler weder aufräumen noch putzen mussten. In Japan, erzählt sie, waren alle ständig mit Fegen oder Abstauben des Klassenraumes beschäftigt, mussten sich beim Essen bedienen oder Zusammenkünfte organisieren. Auch Hausaufgaben gab es nicht, aber für jede noch so kleine Leistung großes Lob. "Ich tat nichts als die Arbeit, die von mir erwartet wurde", sagt Midori, "und dafür wollte ich kein Lob." Eher hätte sie andere Unterstützung gebraucht, insbesondere finanzielle. Die Mutter hatte keine Arbeitserlaubnis, ein Stipendium gab es nicht, das Geld vom Vater aus Japan floss eher spärlich. Und so wohnten Mutter und Tochter lange Zeit in einem fensterlosen Zimmer mit Kochnische, ohne Telefon. Und doch gab es immer wieder Lichtblicke, etwa die Sommerkurse in Aspen, wo sich begabte Studenten und berühmte Solisten trafen. Oder das überstürzte Vorspiel bei Zubin Mehta. Am Abend zuvor hatte ein Musiker an der Tür geklingelt und das Vorspiel für den nächsten Vormittag angekündigt - ein kleiner Schock. Denn für das gewünschte Programm - Bartóks und Paganinis Violinkonzerte - hätte auch ein erwachsener Profi gerne ein paar Übungsstunden gehabt. Doch Zubin Mehta war beeindruckt, er sorgte nicht nur für das große Debüt mit den New Yorker Philharhonikern, sondern legte auch den Grundstein für die Zusammenarbeit mit vielen großen Dirigenten. Darunter war die Begegnung mit Leonard Bernstein sicher eine der nachhaltigsten. Der unermüdliche
Fleiß und die leidenschaftliche Hingabe an die Musik führten
Midori schließlich zu Weltruhm. Mehrfach wurde sie ausgezeichnet,
spielte preisgekrönte Aufnahmen ein, zuletzt die Violinkonzerte von
Mendelssohn und Bruch mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von
Mariss Jansons (bei Sony). In diesem Jahr wurde sie zudem auf den Jascha-Heifetz-Lehrstuhl
an der Thornton School of Music berufen, die zur University of Southern
California gehört. Und doch überrascht sie mit der Feststellung,
Musik spiele zwar eine wichtige Rolle in ihrem Leben, aber: Musik regiere
nicht ihr Leben. Das kann eigentlich nur wahr sein, wenn man sich dazu
denkt: Musik ist ihr Leben. |
![]() ©2003 Lois Greenfield |
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August 2005 Midoris Auftritte beim WDR in Kleve und beim mdr Musiksommer in Bad Elster werden demnächst im Radio übertragen: Das Konzert in Kleve vom 2. August 2005 läuft am 13. September um 20:05 Uhr in WDR 3, das Konzert in Bad Elster wird am 2. Oktober 2005 um 16:30 Uhr in mdr Figaro gesendet. |
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April 2005 Orchestra Residencies-Programm für 2006/07 Das Orchestra Residencies Programm freut sich mitzuteilen, dass die Teilnehmer für die Saison 06/07 feststehen: die Great Falls Symphony und Youth Orchestras in Montana sowie die Winston-Salem Symphony und Youth Orchestras in North Carolina.
Diese herausragenden Einrichtungen wurden von einem unparteiischen Kommitee auf der Basis verschiedener Kriterien aus den Bewerbungen ausgewählt.
Im Frühling 2007 wird Midori 5 bis 7 Tage jeweils in Great Falls/Montana und in Winston-Salem/North Carolina intensiv mit den Jugendorchestern arbeiten sowie mit dem Sinfonieorchester auftreten. Dazu wird sie an verschiedenen Bildungs- und Outreachprogrammen teilnehmen.
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![]() photo: Sheila Rock |
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25. Oktober 2004 Midori und Robert McDonald gehen mit zeitgenössischem Programm auf Japantournee In den letzten Jahren haben Midori und ihr langjähriger Klavierpartner, Robert McDonald, neuere und weniger bekannte Werke in ihr Rezital-Programm aufgenommen, um dem Publikum ein breiteres Spektrum präsentieren zu können. Das Repertoire für ihre ausgedehnte Rezitaltournee durch Japan im Dezember 04 und Januar 05 unterstreicht ihren Einsatz für neue Musik mit einem Auftragswerk und einem Programm, das ausnahmslos aus Stücken besteht, die nach 1981 komponiert wurden. Das Auftragswerk des amerikanischen Komponisten Michael Hersch 21 Stücke nach Gedichten und Prosa von Czeslaw Milosz trägt den Titel The Wreckage of Flowers". Nach der Weltpremiere in Lissabon am 21. November 2004 werden Midori und Robert McDonald die Komposition in Madrid, London, Glasgow, München und New York aufführen, bevor sie es in Japan in Obihiro, Osaka, Sapporo, Kita-Kyushu, Matsumoto, Niigata und Tokio spielen werden. Das komplette zeitgenössische Programm beinhaltet zudem Judith Weirs Musik für 247 Streicher, Isang Yuns Sonate Nr. 1, Alexander Goehrs Suite, Op. 70, György Kurtágs Tre Pezzi und Witold Lutoslawskis Partita. Im Zusammenhang mit diesem Programm plant Midori eine Veranstaltung mit pädagogischem Hintergrund, die vor dem Konzert in der Tokioter Oper am 26. Dezember stattfindet und auch am 12. Januar für Kartenbesitzer in der Takemitsu Memorial Hall der Tokioter Oper kostenlos zugänglich ist. Ziel dieser Veranstaltung ist es, die Gäste zu ermutigen, sich zeitgenössischer Musik aus unterschielichen Blickwinkeln zu nähern und so den Zugang zu Midoris Konzert zu erleichtern, die Freude am Zuhören zu steigern und neue Musik im Allgemeinen zu fördern. Der Tag wird in vier Abschnitte unterteilt: neben einer Meisterklasse, die den Werken aus Midoris Programm gewidmet ist, und einem Empfang finden am Morgen und am Nachmittag Podiumsdiskussionen statt. Die Vortragenden kommen aus dem Bereich der Musikwissenschaft, sind Komponisten und Veranstalter und auch Midori selbst wird sich beteiligen. Das Publikum ist herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Ein kurzes Konzert von Midori und Robert McDonald wird den Nachmittag abschließen. Vier zuvor ausgewählte junge Musiker werden zu Midoris öffentlicher Meisterklasse eingeladen, während der das Publikum über einen Overheadprojektor die Noten verfolgen kann. In der folgenden Frage-und-Antwort Runde, die sich der Meisterklasse anschließen wird, werden auch Fragen über E-Mail und Telefon gerne angenommen. Bereits einige Wochen vor dem Konzert werden im Foyer Videoausschnitte, u.a. mit Interviews mit zeitgenössischen Komponisten, sowie eine Fotoaustellung zu sehen sein, die ebenfalls im Yamaha Musikgeschäft in Ginza und in weiteren Musikläden präsentiert werden. Zudem wird ein Bereich eingerichtet, in dem sich Interessierte Werke der beim Konzert vertretenen Komponisten in gemütlicher Atmosphäre anhören können. Partituren werden ebenfalls zur Verfügung gestellt, so dass Gäste, während sie zuhören, dem Notentext folgen können. Die Veranstaltung am 26. Dezember wird mit einem Empfang abgeschlossen, der allen Teilnehmern der unterschiedlichen Programmpunkte offen steht. |
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25. Oktober 2004 Interpretation Jedes Musikstück braucht einen Interpreten, um ihm Leben einzuhauchen. Die Interpretation ist der entscheidende Punkt bei einem Konzert, nach welchem der Künstler letzten Endes beurteilt wird. Wie entsteht eine Interpretation? Was passiert im Kopf des Interpreten? Kann man interpretieren lernen? Es gibt nicht die ,richtige' Lösung oder nur einen Weg, ein Musikstück zu interpretieren. Ich glaube nicht, dass Interpretieren eine ,geheimnisvolle Angelegenheit göttlicher Inspiration' ist, der man am besten allein nachgeht. Eher ist es eine komplizierte Kombination von Prozessen eine komplexe Mischung aus Logik (Wissen und Nachdenken), Zuhören und Antworten auf die Musik. Auf jeden Fall spielen Fantasie und Kreativität eine entscheidende Rolle bei der Kopplung dieser Prozesse. Einfach ausgedrückt, übermittelt Musik eine Botschaft, die vom Hörer wahrgenommen und verinnerlicht werden kann. Die erfolgreiche Interpretation eines Werkes hat vor allen Dingen mit Klarheit, Einsicht und mit der Kraft zu tun, mit der die Botschaft oder, wenn man will, auch die Geschichte dem Hörer vermittelt wird, so dass sie auf ihn eine bestimmte Wirkung ausübt. Als ich noch ein Kind war, erzählte mir meine Mutter, dass ich mit meiner Musik immer eine Geschichte" erzählen müsse. Die Geschichte, die ich im Alter von acht Jahren beim Spielen von Bach's Chaconne erzählte über meinen kleinen Hund der starb und in den Himmel kam ist heute lediglich eine nette Anekdote; musikalische Geschichten sind nicht so simpel. Von Anfang an wusste ich, dass meine Mutter etwas anderes meinte. Tatsächlich war das nur die allerletzte Maßnahme, wenn sie versuchte, meine Fantasie mit einer greifbaren Handlung und Charakteren anzuregen. Eine musikalische Erzählung besitzt eine dramatische Linie auch ohne ein explizites Szenario. Es ist eine musikalische Reise, bei der die Erfahrungen (oder Geschichten) des Hörers, des Musikers und die diese umgebenden Welten zusammenkommen. Die Rolle des Interpreten ist zweifellos wichtig, und ich nehme sie sehr ernst. Denken zu lernen spielt eine wichtige wenn auch nicht die einzige Rolle in der Entwicklung von künstlerischen und kommunikativen Prozessen. Der Künstler muss zu allererst die Form und den Aufbau des musikalischen Werks verstehen. Das sind die Grundlagen, die gegeben sind, aber häufig ignoriert werden. Das Stuck muss dann interpretiert werden, so dass die logischen Komponenten musikalisch zusammenhängend vermittelt werden konnen. Dafür braucht man Zeit, Erfahrung und die Geduld immer wieder Neues zu versuchen und Fehlschläge hinzunehmen. Wenn ein Musiker oder eine Musikerin sich eine Partitur anschaut, versucht er oder sie die Intentionen des Komponisten, wie sie auf dem Papier stehen, zu entschlüsseln. Da es viele Wege gibt, wie man diese Anweisungen interpretieren oder ausführen kann, bestehen von Anfang an viele individuelle Möglichkeiten, sie auszudrücken. Als Teenager, als ich auf der Suche nach dem besten Weg war, Musik zu interpretieren, hörte ich mir Konzerte anderer Künstler an, las Analysen von Musikstücken und beobachtete Musiker, wie sie ihren Standpunkt über bestimmte Werke diskutierten. Zu dieser Zeit war ich noch weit davon entfernt, zu verstehen, dass es keinen einfachen Weg gab, sich das Interpretieren ,anzueignen'. Dass es sich hierbei vielmehr um ein kompliziertes Zusammenwirken von ineinander verwobenen Mikroprozessen handelt als um eine einfache Technik, die man lernen kann, war eine schwierige Lektion. Ich hörte mir viele Platten an besonders Vokalmusik und versuchte mich in die Künstler hineinzuversetzen, mit ihnen zu atmen und so zu verstehen, warum sie taten, was sie taten, und wie sie zu ihren Interpretationen kamen. Außerdem versuchte ich zu ergrunden, warum ich auf Künstler und Konzerte auf eine bestimmte Art reagierte. Es war niemals meine Intention, sie zu imitieren, doch ich wollte verstehen, wie andere zu ihren Interpretationen gelangten. Wenn ich heute über Interpretation nachdenke, bin ich immer wieder überrascht, wie eng dieser Vorgang mit dem Erlernen und dem kreativen Gebrauch einer Sprache verwandt ist. Es ist erwiesen, dass Kinder das Sprechen unterschiedlich schnell lernen. Einige lernen fruh, andere relativ spat, wobei das nicht automatisch als Vorausdeutung auf späteren Erfolg oder Talent, oder auf ihre Fähigkeit, eine zweite Sprache zu lernen, zu lesen ist. Während einige ein feines Gespür für verschiedene Fremdsprachen haben, kostet es andere viel Energie, bis sie sich auch nur in einer Sprache wohl fühlen. Zudem gibt es noch die vielen anderen, die mehr als eine Muttersprache haben. Aber am wichtigsten für diesen Essay ist die Tatsache, dass wir alle unterschiedlich sprechen sogar wenn wir die gleiche Geschichte erzählen , denn wir alle haben unsere ganz eigene Art, Worte auszuwählen, sie zu kombinieren und den Kern der Geschichte zu vermitteln. Das gleiche gilt fur das Zuhören, das ganz individuell und für jeden Menschen anders abläuft. Die musikalischen ,Fakten' wie sie in der Partitur des Komponisten erscheinen sind wie die faktischen Informationen in einer Erzählung, die Absätze usw. Beim Vortrag hat jeder Geschichtenerzähler sein einzigartiges Vokabular und seine individuellen Veranlagungen lassen ihn die Geschichte in seiner ganz eigenen Art erzählen. Und natürlich wird ein Erzähler auch durch seinen persönlichen Erfahrungshintergrund beeinflusst. Zudem kann man eine Sprache ebenso wie Musik nicht allein lernen. Vieles wird in der Interaktion mit anderen gelernt. Die Kunst der Sprache ist, wie Musik, wandelbar, niemals formelhaft und immer situationsabhängig während sie einer bestimmten basalen Logik folgt. Wenn man in einer fremden Sprache spricht | |||||