EDVARD
GRIEG, Violinsonate Nr. 3 in C-Moll
Mit Künstlern
wie Evard Munch, Henrik Ibsen und Evard Grieg (1843-1907) präsentiert
sich das Norwegen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts
mit einem vielseitigen und lebendigen Kulturleben. Die Romantik wurde
langsam durch Realismus, Impressionismus Symbolismus und Expressionismus
abgelöst und ein nationales Bewusstsein prägte Kunst und Politik
gleichermaßen. Angetrieben durch eine unsichere und schwierige
politische Lage zeigte sich in der Kunst der Hang zu Bekenntnissen zum
eigenen Land und der heimischen Kultur.
Grieg wurde 1843 in eine Musikerfamilie in Bergen geboren. Die ersten
Klavierstunden erhielt er im Alter von sechs Jahren von seiner Mutter.
Zur gleichen Zeit bekam er bereits Unterricht in Komposition. Mit 15
Jahren ging er nach Leipzig, um seine Studien dort zu vertiefen. Dort
profitierte er besonders von Konzerten mit Werken von Schumann, Wagner
und Strauss, die ihm in seinem Heimatort nicht auf diese Weise zugänglich
gewesen waren.
Nach seinem Abschluss am Leipziger Konservatorium zog er nach Kopenhagen,
der damaligen Kulturhauptstadt Skandinaviens. Unter dem besonderen Einfluss
von Ole Bull und Rikard Nordraak entdeckte er dort seine Leidenschaft
für norwegische Kultur und Folklore, die sich fortan in seinen
Kompositionen niederschlug und zum charakteristischen Merkmal seiner
Musik wurde. Sein ganz eigener Nationalismus – die Liebe zu folkloristischer
Musik und zur norwegischen Landschaft – sollte ihn von nun an
nicht mehr loslassen.
Griegs kammermusikalisches Werk ist klein. Es umfasst nur sechs Kompositionen,
drei davon Violinsonaten und ein unvollendetes Streichquartett. Die
Violinsonate Nr. 3, die er 1887 fertig stellte, ist wohl die Bekannteste
und auch sein persönliches Lieblingsstück dieses Genres. Gemeinsam
mit Adolf Brodsky, dem Tschaikowsky sein Violinkonzert widmete, brachte
Grieg – am Klavier – die Sonate noch im selben Jahr zur
Uraufführung.
Die dreisätzige Violinsonate Nr. 3 ist eine Komposition, in der
Grieg folkloristische Elemente in Melodie und Rhythmus einfließen
lässt, während er in harmonischer Hinsicht gleichzeitig dem
romantisch-traditionellen Stil verhaftet bleibt.
Der erst Satz beginnt heroisch und kühn mit dem Eröffnungsthema
der Violine auf der tiefen G-Saite. Es scheint, als ob die Melodien
und Themen willkürlich ineinander übergehen und keinem kompositorischen
Konzept folgen. Das Eingangsthema jedoch tritt in verschiedener Form
und Abwandlung immer wieder auf.
Beispiel 1: Violine und Klavier, Eröffnungsthema, Takte 1-2
Beispiel 2: Violine, Takte 145-156
Beispiel 3: Violine, Takte 226-233
Beispiel 4: Violine, Takte 247-251
Anfang und Ende des zweiten Satzes sind beinahe identisch und rahmen
den Morris Tanz ein – einen pantomimischen Tanz, der sich in der
Renaissance großer Beliebtheit erfreute. Im Gegensatz zum ersten
Satz, der ganz von der Violine dominiert wird, eröffnet der zweite
Satz mit einem lyrischen Klaviersolo von einzigartiger Intensität.
Der energiegeladene letzte Satz folgt der Sonatenform A-B-A-B’-Koda.
Während im zweiten Satz der B-Teil der schnellere Part ist, bildet
dieser im letzten Satz einen gesetzten und melodischen Kontrast zum
lebendigen A-Teil.