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LUDWIG VAN
BEETHOVEN
(GEB.1770 IN BONN; GESTORBEN 1827 IN WIEN)
Sonate
Nr. 1 für Klavier und Geige in D-Dur, Opus 12 Nr.1 (1797/98)
1. Allegro con
brio
2. Tema con variazioni (Andante con moto)
3. Rondo: Allegro
Zwischen 1797 und 1813 komponierte Beethoven zehn Sonaten für Violine
und Klavier. Sowohl Mozart als auch Haydn hatten Sonaten für diese
beiden Instrumente geschrieben. Beide legten weniger Gewicht auf die Violine
als auf das Klavier. Beethoven folgte dieser Idee, nur dass sich in seinen
Sonaten die Geige dem Klavier nicht klar unterwirft. Damit brach er mit
der Tradition seiner Zeit.
Nichtsdestotrotz spielt das Klavier in allen zehn Beethoven-Sonaten für
Klavier und Geige die entscheidende Rolle. Beethoven selbt war ein ausgezeichneter
Pianist, der nach immer neuer Virtuosität strebte, zu einer Zeit,
als auch das Klavier aus diesem Grund ständig verbessert wurde. Daraus
resultiert, dass ein Geiger der heutigen Zeit diesen speziellen pianistischen
Klang, die Farbe und Artikulation von Beethovens Klavierpart kennen muss.
So ist das Klavier für den Geiger ein wichtiger Leitfaden zur Interpretation
des Werkes. Oft muss das Gefühl von Widerstand und Ausführung
dem Hörer begreiflich gemacht werden.
Die Sonate Nr. 1 in D-Dur für Klavier und Geige ist einem seiner
Lehrer, Antonio Salieri, gewidmet. Eigentlich ging Beethoven 1792 nach
Wien, um bei Haydn zu studieren, aber diese Beziehung hielt nicht lange;
vor allem deshalb, weil Haydn viel reisen musste und aufgrund Beethovens
schwieriger und unreifer Persönlichkeit. So studierte Beethoven in
Wien bei anderen Lehrern wie zum Beispiel Johann Georg Albrechtsberger.
Obwohl die Unterrichtsstunden bei Haydn nur von kurzer Dauer waren, wurde
Beethoven doch von dem älteren Komponisten zum Komponieren seiner
1. Symphonie und den Quartetten inspiriert. Auch Haydns Sonaten für
Klavier und Geige können eine Rolle darin gespielt haben, Beethoven
zum Schreiben eigener Sonaten zu ermutigen. Hinzu kam, dass Karl Amanda
- ein Geiger aus Kurland (dem heutigen Lettland), mit dem Beethoven befreundet
war - ihn anspornte.
Die Sonate D-Dur, Opus 12 Nr. 1 hat drei Sätze. Geschrieben wurde
sie 1797/98. Sie ist fröhlich, geistreich und klangvoll, ungeachtet
der Tatsache, dass Beethoven schon zu dieser Zeit unter starken Stimmungsschwankungen
pathologischer und psychotischer Natur litt und sich außerdem die
ersten Zeichen seiner Taubheit einstellten.
Die Sätze heißen: Allegro con brio, Andante con moto und
Allegro.
Das Werk beginnt unisono (beide, das Klavier und auch die Geige, spielen
zur selben Zeit dieselben Noten). Schnell findet sich ein gesangsartiger
Ton, der zuerst von der Geige und dann vom Klavier gespielt wird. Bald
erscheinen die Durchgangsnoten und die spannungsgeladenen Harmonien in
immer schnellerer Folge; die beiden Spieler scheinen in einem Gespräch
zu sein, das immer aufgeregter wird. Des Spaßes halber hält
Beethoven die Aufregung zurück und der nächste Teil beginnt
mit dem Klavier, das eine etwas ruhigere Melodie spielt. Diese leitet
schließlich über zu prächtigen Akkorden, die vielleicht
ein Hinweis auf seine Vorliebe für das Militär darstellen, gefolgt
von übermütigen 16teln. Der nächste Teil steht, was für
den Mittelteil eines Satzes ungewöhnlich ist, in einer anderen Tonart,
nämlich F-Dur, und startet mit der dynamischen Anweisung piano,
mit Akkorden, die man vorher gehört hatte, einen militärischen
Marsch andeutend. Dieser Teil ist nicht lang; die Musik kehrt wie triumphierend
zum Beginn des Werkes zurück und geht beinahe genauso weiter und
zu Ende.
Der zweite Satz besteht aus vier Variationen über ein Thema in A-Dur.
Das Thema hat zwei Köpfe: jeder von ihnen wird vom Klavier, begleitet
von der Geige vorgestellt, dann werden die Rollen umgekehrt. Die 1. Variation
ist nur für Klavier, begleitet von der Geige. In der 2. Variation
übernimmt die Geige die Melodie. Die nächste Variation ist ausgeglichen,
steht aber diesmal in a-Moll. In der letzten Variation geht es wieder
zurück nach A-Dur.
Das Allegro, der letzte Satz, ist ein Rondo im Sechsachtel-Takt. Es ist
fröhlich und das Thema beinhaltet sforzandos auf unbetonten
Taktteilen und einen leicht synkopenhaften Charakter, wie es in Beethovens
späteren Werken öfters vorkommen soll. Der Mittelteil steht
wie der des 1. Satzes in F-Dur. Durch das ganze Werk hindurch tauschen
Klavier und Geige die Rollen, verlieren aber nie die tänzerische,
glückvolle Art.
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