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KAROL SZYMANOWSKI
(GEBOREN 1882 IN TYMOSZOWKA, UKRAINE; GESTORBEN
1937 IN LAUSANNE, SCHWEIZ)
3 Mythen Op. 30 (1915)
1. Der Brunnen der Arethusa
2. Narziss
3. Die Dryaden und Pan
Die frühen 20er Jahre waren ein goldenes Zeitalter für Geiger;
es gab viele Grössen" wie Ysayë, Kreisler, Huberman,
Thibaud und Heifetz, um nur einige zu nennen. Die ungeheure Vielzahl von
aktiven Geigern erhob das Geige spielen in einen höheren Stand, was
sich in den folgenden Generationen nicht ändern sollte.
In diese künstlerisch pulsierende Periode passte Paul Kochanski (1887-1934)
sehr gut hinein. Er war ein Geiger von Charakter und hoher Musikalität.
Ohne mit seiner fabelhaften Technik zu prahlen, wurde er von seinen Kollegen
respektiert und bewundert. Besonders hervorzuheben ist seine Zusammenarbeit
mit Komponisten, die er auch beeinflusste; wie z.B. mit dem befreundeten
polnischen Karol Szymanowski und auch mit Prokofieff und Strawinsky. Kochanski
schrieb Stücke, die eigentlich für andere Instrumente komponiert
waren, für die Violine um.
Karol Szymanowski, fünf Jahre älter als Kochanski, wurde 1882
in der Ukraine geboren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
war er die zentrale Figur polnischen Musiklebens, obwohl er zu dieser
Zeit ein brühmterer Pianist als Komponist war. Heute schätzt
man eher den Komponisten.
Szymanowski wurde von den alten Literaturtexten der arabisch-persischen
sowie der griechischen Kultur inspiriert. Die Philosophie der Liebe faszinierte
ihn, und er fühlte sich zu Angelegenheiten von Leidenschaft und Ekstase
hingezogen. Während er für die Geige komponierte, entwickelte
sich zwischen Kochanski, der ihn in technischen Fragen beriet, und ihm
eine Partnerschaft. Zusammen wollten sie einen neuen Stil und eine neue
Farbe kreieren, die charakteristisch wurden für Szymanowskis Kompositionen
für Violine.
Es ist unmöglich, diese besondere Farbpalette zu erklären. In
einfachen Worten: Szymanowskis Phrasen schwingen in großer Höhe.
Sie schimmern, manchmal sinnlich, fast schwebend, manchmal auch finster
und voller Spannungen. Dieser neue Stil wurde bei der Arbeit an den Mythen
gefunden und gefestigt: in eigenen Worten ein neuer Ausdruck im
Geigenspiel, etwas, das man epochal nennen kann".
In einer Sammlung dreier musikalischer Gedichte, die auf Charakteren der
griechischen Mythologie basieren, lassen die verschiedenen Klangeffekte
die klassischen Geschichten auferstehen durch den Gebrauch von Tremolos,
Trillern, Doppelgriffen, Obertönen, Pizzicati, Dämpfer, durch
Spezialeffekte auf dem Klavier wie ausgedehnte Arpeggios, fantastischen
harmonischen Akkorden und Pedaleinsatz.
1. Springbrunnen von Arethusa: Die Wassernymphe Arethusa liebt
das Jagen und den Wald - mehr als jeden Mann. Doch der Flussgott Alpheus
verliebt sich in die badenden Arethusa. Erschrocken rennt sie so schnell
sie kann davon. Doch als sie aus Angst vor seiner Annäherung die
Göttin Artemis um Hilfe anruft, verwandelt diese Arethusa in einen
Brunnen. Dieser Brunnen blieb, im italienischen Ortygia, Syracus.
Szymanowski behandelt das Strömen des Wassers am Klavier mit übergreifenden
Händen über welche die Violine eine mystische und fabulöse
Melodie singt. Der Klang des Wassers wird auch durch Triller und Doppelschübe
während des ganzen Stückes dargestellt. Das Tempo bleibt flexibel
- absteigend und ansteigend. Am Ende verliert sich das Murmeln des Wassers
- leise und geheimnisvoll.
2. Narziss:
Narziss spiegelt sich im Wasser und verliebt sich in sich selbst. Da er
keinen Erfüllung finden kann, stirbt er vor Unglück an diesem
Teich. Alle Nymphen trauern um ihn. Als sie seinen Grabhügel vorbereiten,
können sie seinen Körper nicht finden: an seiner Stelle finden
sie die Blume, die heute seinen Namen trägt.
In der Musik ist die
Atmosphäre träumerisch und lieblich - man spürt ein bevorstehendes
Wunders: das Verlieben. Der zweite Teil, meno mosso, ist der magische
Moment der Offenbarung. Die beiden Instrumenten folgen einander, wobei
die Musik einen Effekt wie einen kräuseligen Spiegel erzielt Sie
erinnert daran, wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird konzentrische
Kreise bildet. Das Stück schwindet, umgeben von Mystik und Selbstverlust.
3. Dryaden und
Pan:
Pan war ein unterer Gott mit einem Körper halb Mensch, halb Tier,
und sein Anblick versetzte jeden in Panik. Tatsächlich stammt das
Wort ,Panik' von Pan. Sohn von Hermes, wurde Pan von den Ziegen- und Schafhirten
verehrte und verliebte sich andauernd, zumeist in Baum-Nymphen oder Dryaden.
Syrinx, eine Dryade, war so entsetzt von dem Gedanken, von Pan überwältigt
zu werden, dass sie darum bat, in ein Schilfrohr verwandelt zu werden.
Pan pflückte es, machte sich eine Flöte daraus und trug sie
so immer bei sich.
Diese Flöte kann
auch in der musikalischen Ausführung durch die Violine gehört
werden, zu hören durch einen Spezialeffekt, der den Oberton-Mechanismus
des Instruments nutzt.
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MANUEL DE
FALLA
(GEBOREN
1876 IN CÁDIZ, SPANIEN; GESTORBEN
1946 IN ALTA GRACIA, ARGENTINIEN)
De Falla/Kochanski: Suite populaire espagnole.
1. El paño
moruno
2. Nana
3. Canción
4. Jota
5. Asturiana
6. Polo
Paul Kochanskis Talent lag unter anderem darin, Werke anderer Komponisten
für Klavier und Geige umzuschreiben und zu arrangieren. Seine Transkriptionen
behalten immer die Schönheit des Originals, wobei die Sprache des
Instruments unangefochten bleibt. Nie klingt es, als sei die Geige lediglich
der traurige Ersatz für das ursprünglich eingesetzte Instrument.
Manuel de Falls Siete canciones populares españolas, ursprünglich
ein Reihe kleiner Stücke für Gesang mit Klavierbegleitung, wurde
zusammen mit Kochanski für Violine und Klavier arrangiert. Heute
sind in Konzerten diese Lieder von allen Arrangements Kochanskis die populärsten.
In einer freundlichen Geste für Kochanskis Mitarbeit widmete de Falla
das neue Werk dessen Frau.
De Falla war zusammen mit Albéniz und Granados der führende
Komponist seiner Zeit. Sehr interessant zu erwähnen ist, dass der
norwegische Komponist Edvard Grieg de Falla inspirierte, Volksmusik als
kompositorische Quelle zu benutzen. De Falla wurde im südspanischen
Cádiz als Sohn eines andalusischen Vaters und einer katalanischen
Mutter geboren.
Er studierte in Paris, wo er von Claude Debussy beeinflusst wurde. Am
Beginn des 1. Weltkriegs kehrte er nach Spanien zurück und komponierte
kurz darauf in Madrid die Siete Canciones.
Nicht alle dieser Stücke entstammen Volksmelodien. Während Polo
(ein Flamenco-Tanz) und Jota (ein Tanz aus Aragón) ganz
im Stile der Volksmusik geschrieben sind, basieren die anderen vier Stücke
El paño moruno (maurisches Tuch"), Asturiana
(ein Wiegenlied aus Nordspanien) und Ana (ein Wiegenlied aus Andalusien)
und Canción auf volksmusikalischen Quellen. Diesen hat er
mit der harmonisch originalen Begleitung neue Impulse gegeben. Die Lieder
sind manchmal Ohrwürmer" und manchmal eher herausfordernd.
Die näselnde, geschlossene Beschaffenheit der Intervalle (und des
Urtextes) verleihen dem lateinisch-maurischen Temperament Schärfe,
Kraft und Feuer.
Kochanskis Transkription fur Violine und Klavier Suite populare Espagnole
enthält nur sechs der eigentlich sieben Stücke (Seguidilla
murciana wurde ausgelassen). Die Reihenfolge bleibt den Auffuhrenden
überlassen.
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