JOHANN SEBASTIAN BACH
(geb. 1685, Eisenach; gest. 1750, Leipzig)

Sonate in A-Dur für Violine und Klavier BWV 1015

I. Dolce
II. Allegro
III. Andante un poco
IV. Presto

Die Familie Bach brachte zahlreiche Musiker hervor, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in Kirchen, Städten und am Gericht tätig waren. Johann Sebastian ist der berühmteste von allen. Während er zu Lebzeiten vor allem aufgrund seines Talents als ausführender Musiker bekannt war, denkt man heute hauptächlich an den Komponisten Bach. Unbestritten ist er einer der großartigsten Komponisten aller Zeiten. Seine Musik wird von professionellen wie Amateurmusikern gleichermaßen geliebt, gelernt, analysiert und gespielt.

Von 1717 bis 1723 hatte Bach bei Prince Leopold von Anhalt-Cöthen eine Stelle als Kapellmeister inne. Während dieser Zeit schrieb er auch den größten Teil seiner Werke für Violine, u.a. seine zwei Concerti, die sechs Sonaten und Partiten für Violine Solo und einen Zyklus von sechs Sonaten für Violine und Klavier, von denen die A-Dur Sonate die zweite ist.

Bei dem Stück handelt es sich um eine typische Barocksonate, eine Sonata di chiesa mit vier Sätzen: langsam, schnell, langsam, schnell. Doch Bach führt hier auch eine Technik ein, die von der Tradition seiner Zeit abweicht - das Klavier und die Violine teilen sich die Hauptlinie. In früheren Barocksonaten, wie z. B. in denen Händels, hat lediglich das Soloinstrument die Hauptstimme, während es von zwei untergeordneten Linien begleitet wird, die auf einem Tasteninstrument (damals ein Cembalo, heute häufig ein Klavier) und der Viola da Gamba oder nur auf dem Klavier gespielt wurden. Die tiefste Stimme der Begleitung, der Basso, wurde uüblicherweise so notiert, dass nur eine Note ausgeschrieben wurde. Diese erhielt eine Bezifferung, die für die Noten stand, die zusätzlich addiert werden sollten. Diese Bezifferung stellt eine Richtlinie für den Pianisten, der den Basso frei realisieren kann, indem er die notierten Noten und Zahlen spielt und diese mit Trillern, Vorschlägen etc. verziert. Mit anderen Worten: Der Komponist liefert lediglich das Grundgerüst der harmonischen Struktur, und überlässt es dem Musiker dieses zu füllen und mit improvisierten Verschönerungen zu versehn.

Bei Bachs sechs Sonaten für Violine und Klavier ist dies nicht der Fall: Der Komponist schrieb jede Stimme aus und lässt dem Musiker so wenig Raum für Imporvisationen. Das Ergebnis ist daher kein Stück, in dem die Violine solo von einem Klavier begleitet wird, sondern eine Komposition, in der jede Stimme einzeln herausgehört und genossen werden kann. Mit dieser Technik verweist Bach auf zukünftige Sonatenformen. In der klassischen Periode, also zu Lebzeiten Mozarts und Haydns, war es das Klavier, welches die Geige dominierte. Später wird das Verhaltnis weiter ausgeglichen und ein Geichgewicht zwischen beiden Instrumenten entsteht.

Die A-Dur Sonate als Ganzes besitzt eine ernsten, seriösen Charakter. Wahrscheinlich ist es die Betonung aller drei Stimmen, die dafür sorgt, dass man auch in den leisesten Momenten die Tiefe und Komplexität des Stückes spürt. Es ist wunderbar, das Thema in drei Stimmen zu hören, wie in einem Kanon oder einer Fuge. Man kann gar nicht anders, als die Genialität Bachs, seine außergewöhnliche Kunstfertigkeit zu bewundern. Leidenschaft bestimmt das Stück - etwas das üblicherweise nicht mit Barockmusik assoziiert wird. Wer diese in den Kompositionen spürt, wird für das Geschenk, das Bach mit seiner Musik beschert, dankbar sein.

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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