JOHANNES BRAHMS
(geboren 1833 in Hamburg, gestorben 1897 in Wien)

Sonate Nr. 1 in G-Dur, Op. 78

1. Vivace non troppo
2. Adagio
3. Allegro molto moderato

Johannes Brahms bündelt in seiner Sonate Nr. 1 in G-Dur die deutsche Tradition der Romatik in komprimierter Weise. Brahms, von Robert Schumann als Genie bezeichnet, kombiniert hier den klassischen Stil mit romantischem Temperament. Seine klanglichen Effekte reichen von kraftvollem symphonischen Klang bis hin zum delikaten Flüstern eines Liedes.

Privat war Brahms stur und reserviert aber auch loyal und großzügig. Seine lebenslange Bindung an die Familie Schumann ist wohlbekannt; obwohl er Jungeselle blieb, war seine Beziehung zu Clara Schumenn, Roberts Witwe, und ihren Kindern von besonderer Bedeutung auch für sein musikalisches Schaffen.

Brahms komponierte seine Sonate in G-Dur, Op. 78 kurz nach dem frühzeitigen Tod seines 24 Jahre alten Patensohns, dem Violinisten und Dichter Felix Schumann. Obwohl die Sonate Brahms' Traurigkeit widerspiegelt, wirkt das Stück als Ganzes eher empfindsam als verzweifelt. Nachdem sie das fertige Manuskript erhalten hatte, soll Clara Schumann gesagt haben: „Ich konnte nicht anders, als in Tränen der Freude ausbrechen. [...] Ich wünschte mir, der letzte Satz würde mich ins Jenseites begleiten."

Geschrieben in Pörtschach im Süden Österreichs im Sommer 1878 und 1879, folgt die Sonate in G-Dur chronologisch auf das Violinkonzert, Op. 77 - eines der beliebtesten Werke der Violinliteratur. Von der Sonate wird behauptet, sie sei der dritte oder vielleicht sogar fünfte Versuch Brahms', eine Violinsonate zu schreiben. Anlässlich des Geburtstages von Joseph Joachim hatte Brahms bereits 1853 in Zusammenarbeit mit Schumann und Albert Dietrich ein Scherzo verfasst, das Teil der F.A.E.-Sonate wurde,. In der folgenden Zeit bis 1878 unternahm Brahms mehrere Versuche, Stücke fur Violine und Klavier zu schreiben, von denen jedoch keines überdauert hat.

Die Sonate in G-Dur besteht aus drei Sätzen, von denen der erste und der letzte Fragmente von zwei früuhen Liedern Brahms' enthalten: Regenlied und Nachklang op. 59, Nr. 3 und 4 von 1873. Die Vertonungen der Gedichte von Klaus Groth, einem Freund von Brahms, behandeln das Thema Regen auf symbolische, poetische Art. Im ersten Gedicht erweckt der Regen Träume der Kindheit und „benetzte meine Seele mit unschuldiger, kindlicher Ehrfurcht". Im zweiten mischen sich Regentropfen und Tränen, so dass das Gras, als die Sonne wieder scheint, „doppelt grun ist, wenn es sich im Glanz der Tränen auf meinen brennenden Wangen spiegelt". Das bedeutet nicht, dass es sich hierbei um Programmmusik handelt; nichtsdestotrotz gibt das Stück, wenn es sich enfaltet, Einblicke in die Gedanken und Gefühle des Komponisten wie auch der Künstler und Zuhörer.

Der erte Satz beginnt mezza voce, beide Instrumente spielen ruhig, besänftigend. Der Violine gehört das Hauptthema, mit der einprägsamen Wiederholung des „D"s in einem punktierten Rhythmus, mit der die Melodie beginnt.



Die rhythmische Gestaltung ist typisch für Brahms, besonders im eröffnenden Satz. Die starken Betonungen von Violine und Klavier scheinen nicht zusammenzugehen. Als sie schließlich doch zusammenfinden ist die Wirkung dadurch ungemein stärker und die ungleichmäßig übereinanderlappenden Linien der zwei Instrumente erschaffen auf erstaunliche Weise den Eindruck einer verlängerten Phrase.

Den Anfangsrhythmus dieser drei punktierten Noten kann man hier und da während des gesamten Satzes vernehmen, ebenso wie im Mittelteil des zweiten Satzes, dem Adagio. Dieser Part zeichnet sich durch die düstere Qualität des Trauermarsches aus, der in großem Kontrast zu den lieblichen Teilen vor- und nacher steht.

Im letzten Satz (man bemerke, dass es kein Scherzo in diesem Werk gibt, wie es in diesem Genre eigentlich üblich war) tauchen die drei „D"s erneut auf. Mit der Melodie, die mit dem punktierten Rhythmus beginnt, hört man die Begleitung von dahingleitenden16teln. Hieraus erwächst in der Romantik die Vorstellung von leicht dahinfließendem Wasser, vielleicht von Regen oder Tränen.

Später kehrt ein Thema des zweiten Satzes wieder. Es erweckt Hoffnung und führt schließlich zur triumphalen Fröhlichkeit. Die Eröffnungsmelodie erklingt erneut und das Stück findet zu einem leisen Ende, mit einer flüchtigen Erinnerung an Vergangenes.

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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