DARIUS MILHAUD
(geb. 1892, Aix-en-Provence; gest. 1974, Genf)

Le printemps, Op. 18 (1914)

,Frühling' und ,Wiedergeburt' gehörten zu den Lieblingsthemen des „zutiefst" französischen Komponisten Darius Milhaud. Auch andere französische Künstler griffen diese Themen auf, wie die Maler Paul Cézanne und Pablo Picasso, der zwar gebürtiger Spanier war, jedoch den größten Teil seines Lebens in Frankreich verbrachte. Schon die Antike wusste um die Sehnsucht der Menschen, zum Anfang zurückzukehren, noch einmal neu anzufangen und sich zu verjüngen, aber Süden Frankreichs, mit seiner überwältigenden Natur, ist einem dieses Gefühl besonders nah. Sein ganzes Leben lang war Milhaud seiner Heimat eng verbunden, und diese Liebe beeinflusste seine Musik maßgeblich.

Milhauds Oeuvre umfasst eine außergewöhnlich große Anzahl an Stücken. Gemessen an seinem letzten Opus, Nr. 441 aus dem Jahr 1972, ist Le Printemps ein frühes Werk, das er 1914 schrieb. Während die späten Stücke des Komponisten stark unter dem Einfluss des Jazz und der südamerikanischen Carnival-Musik stehen - letztere lernte er während Arbeit im diplomatischen Dienst für Frankreich in Rio de Janeiro kennen - erweist sich Le Printemps durchweg als provenzalisch. Dieses einnehmende kurze Stück verkörpert die Tage voller Löwenzahn, Sonne, Meer und Blumen der mediterranen Kultur - mit einem Hauch von Volksmusik.

Geschrieben im zusammengesetzten 5/8 Takt verleiht der dem Stück eigene Schwung Le Printemps ein ganz spezielles Flair. Abseits von einem durch Gewalt und Tragödien gezeichneten Klima, das die Welt in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg beherrschte, bietet Le Printemps eine Enklave aus Simplizität, Friedlichkeit und Ruhe.

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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