GABRIEL FAURE
(geb. 1845 Pamiers, Frankreich; gest. 1924 Paris)

Sonate Nr. 1 in A-Dur, Op. 13 (1876)

 I. Allegro molto
II. Andante
III. Allegro vivo
IV. Allegro quasi presto

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die französische Musik eine Renaissance. Noch nicht unter dem Einfluss der Impressionisten blühten die Romantik und die Kunst des Liedes, die mit den Liedern von Schubert und Schumann aus Deutschland kam. Fauré und seine Zeitgenossen, die diesen Stil aufnahmen, komponierten eine Vielzahl von Liedern und vertonten u.a. Texte von Hugo, Baudelaire und Molière. Besonders Fauré war einer der großen Meister des französischen Liedes - seine über 100 Vokalwerke brachten ihm den Namen „Frankreichs Schubert" ein.

Schon früh zeigte Fauré musikalisches Talent. Er studierte an der Ecole Niedermeyer, die mit ihrem umfassenden Lehrplan im Bereich der Kirchenmusik besonders für ihre Ausbildung von Organisten und Chorleitern bekannt war. Neben dem Unterricht in Orgel, Gregorianik und der Polyphonie der Renaissance wurde Fauré von Saint-Saëns, der die Klavier- und Kompositionsklasse nach Louis Niedermeyers Tod übernahm, auch in die zeitgenössische Musik eingeführt. Zu den ,neuen' Komponisten gehörten auch Schumann, Liszt und Wagner.

Faurés Violinsonate in A wird zu seinen drei frühen Meisterwerken gerechnet. Sie wurde zwischen 1875 und 1876 geschrieben und ist dem Violinisten Paul Viardot gewidmet, der das Stück 1877 gemeinsam mit Fauré am Klavier zur Uraufführung brachte. Die Familie Viardot war eine der führenden Familien im Musikgeschehen, besonders im Bereich Oper. Pauls Mutter, Pauline, war Sängerin und Mutter von Faurés kurzzeitiger Verlobten Marianne.

Die Kraft der lyrischen Melodien, die sich durch die ganze Sonate ziehen, ist von Anfang an spürbar. Eine Melodie nach der anderen entfaltet sich, und es entsteht eine Art zirkulierende Kraft. Die Eleganz wird durch Jugendlichkeit ergänzt - hoffnungsvoll, erfrischend. Das Stück ist ebenso überschwänglich wie intim. Der zweite Satz ist sowohl zart als auch melancholisch. Es folgt ein Scherzo, das in den äußeren Teilen leicht und schnell, im Mittelteil voll und fröhlich ist. Dieser Stil wurde zum Prototyp für spätere Scherzi von Komponisten wie Ravel und Debussy. Der letzte Satz schließt brillant und verleiht einem großartigen Werk mit wunderschönen, leidenschaftlichen Melodien eine Spur von Rauheit.

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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