JOSEPH ACHRON
(geb. 1886, Losdzieje, Polen, jetzt Lasdjaj, Litauen; gest. 1943, Hollywood, USA)

Hebrew Melody(1911)

Bei den Nigunim handelt es sich um individuell improvisierte Melodien, die in der jüdischen Gemeinde über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Diese Stücke ohne Worte ließen auf ergreifende Weise das Leben der strenggläubigen Juden Osteuropas im frühen 19. und 20. wieder aufleben. Auch im Gebet und zum Studium wurde eine besondere Melodie gesungen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Achron den Nigun seiner Hewbrew Melody von seinem Großvater gehört hat, der die Melodie zu Hause und in der Synagoge gesungen haben mag.

Joseph Achron und sein Bruder Isidor erhielten schon früh Geigen- sowie Klavierunterricht durch ihren Vater. Nach seinem Debüt in Warschau im Alter von sieben Jahren, folgten für Joseph, der allgemein als Wunderkind galt, ausgedehnte Tourneen durch sämtliche Städte Russlands. 1899 ging er im Alter von 13 Jahren an das St. Petersburger Conservatorium, wo er mit Jascha Heifetz und Nathan Milstein zu der Violinklasse des legendären Leopold Auer gehörte.

Während seiner Zeit in St. Petersburg engagierte sich Achron in der „Society for Jewish Folk Music", die sich der Erhaltung und Verbreitung jüdischer Musik widmete. Die Wirkung, die die Organisation auf Achron hatte ist offensichtlich: Ein Großteil seines kompositorischen Schaffens greift Elemente jüdischer Volksmusik auf.

Achron selbst führte die Hebrew Melody 1911 erstmalig in St. Petersburg auf, als Zugabe nach einem Konzert zu Ehren des Zaren. Viele Violinisten, Heifetz eingeschlossen, griffen das Stück umgehend auf und verhalfen ihm so zu weltweitem Ruhm. Neben der natürlichen Schönheit und der einnehmenden Melodie sind es die Nähe des Violinklangs zur menschlichen Stimme und die Bedeutung des Instruments für die jüdische Kultur, die das Stück mit seinem Ursprung verbinden.

1922 gründete Achron ein Verlagshaus für jüdische Musik in Berlin. 1924 reiste er nach Palästina, wo er jedoch nach kurzer Zeit wieder abreiste. Angesichts der zunehmend bedrohlicher werdenden politischen Entwicklungen emigrierte er 1925 in die USA, wo er jedoch nur teilweise Zuflucht fand. Zuerst ging er nach New York, wo er am Westchester Konservatorium unterrichtete, während er vergeblich versuchte, seine Karriere als Violinist wieder aufzunehmen. 1934 zog er nach Hollywood, wo er Filmmusik komponierte. Nach seinem Tod 1943 beschrieb ihn der Komponist Arnold Schönberg, ein Freund Achrons, in einem Nachruf als den „meist unterschätzten modernen Komponisten".

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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