LUDWIG VAN BEETHOVEN
(geb. 1770 in Bonn; gest. 1827 in Wien)

Sonate Nr. 5 in F-Dur, Op. 24, Frühlingssonate

1) Allegro
2) Adagio molto espressivo
3) Scherzo: Allegro molto
4) Rondo: Allegro ma non troppo

Beethoven liebte die Natur, und seine Liebe galt vor allem dem Wald und den Sternen, die ihn besonders inspirierten. In der Schönheit der Natur wurde für ihn die Existenz Gottes greifbar. Diese sanfte Seite — bukolisch, romantisch und einfühlsam — steht in krassem Gegensatz zu den besser bekannten Eigenschaften vieler Werke Beethovens: extreme dynamische Spannung und eine emotionale Aura. Dennoch bildet auch diese Seite eine Konstante in seinem Oeuvre und ist wichtige Vorrausetzung für das Verständnis der komplexen Persönlichkeit des Komponisten.

Bei dem Versuch, Beethovens Einzigartigkeit in Worte zu fassen, erklärte Leonard Bernstein, der Komponist „besitzt eine unerklärliche Gewissheit darüber, welche Note auf die andere folgen muss." Tatsächlich wird man sich beim Hören von Beethovens Werken klar, dass der Komponist sich immer bewusst ist, was er tut. Mehr noch: Man hat es mit einer unglaublichen Kombination von sicherer musikalischer Richtung und gänzlicher Unterwerfung unter die höheren Mächte zu tun. Beethovens Musik ist ohne Zweifel geheimnisvoll und göttlich. Aus diesem Grund ist es unmöglich, seine Musik zu imitieren; sie ist immer einzigartig, unangefochten und bildet eine Klasse für sich.

Die Frühlingssonate Op. 24 ist die fünfte von Beethovens zehn Sonaten für Geige und Klavier. Zwischen 1800 und 1801 komponiert, war sie, wie auch die Sonate in A-Moll Op. 23, seinem großzügigen Wiener Mäzen Graf Moritz von Fries gewidmet. Eigentlich sollten beide Sonaten gemeinsam als Op. 23 Nr. 1 und 2 erscheinen, durch einen Fehler beim Druck wurde die Frühlingssonate jedoch als Op. 24 veröffentlicht.

Die Sonate ist eine der populärsten Sonaten Beethovens für Geige und Klavier und geht schon beim ersten Mal Hören ins Ohr. Die Musik ist voller Freude und ihre erfrischende, hoffungsvolle Stimmung passt bestens zu ihrem Untertitel „Frühling". Die Melodien sind ausnahmslos direkt, einfach und elegant. Die humorvollen Passagen des Stücks erinnern außerdem daran, dass Beethoven auch ein Meister in Sachen Witz und Spiel war.

Frühling ist neben Op. 30 Nr. 2 (Nr. 7) und Op. 96 (Nr. 10) eine der drei viersätzigen Sonaten Beethovens für Geige und Klavier. Sie wird von der Geige in F-Dur mit einer der unvergesslichsten Melodien aller Zeiten eröffnet. Das Klavier stellt das zweite Thema, welches stärker und resoluter ist. Im weiteren Verlauf entfaltet sich der Satz um diese beiden gegensätzlichen Themen. Der langsame Satz in B-Dur wirkt einfacher, glühender und Geige und Klavier präsentieren das Thema abwechselnd in leichten Variationen. Im 3. Satz, Scherzo mit Trio, prallen Geige und Klavier wie im Spiel immer wieder voneinander ab. Der kokette Charakter des Satzes wird durch rhythmische Verspieltheit verstärkt. Das Finale steht in Rondo-Form, mit einem lyrischen Thema, auf das drei Episoden folgen. In ihrer Unbeschwertheit und Spontaneität sind die punktierten Rhythmen Ausdruck für Beethovens Einfallsreichtum und seinen Sinn für Humor.

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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