ALEXANDER GLAZUNOW
(geb. 1865 in St. Petersburg; gest. 1936 in Paris)

Entr'acte ‚Andante sostenuto' aus Raymonda, Op. 57 (1896-1897)
(für Geige und Klavier arrangiert von Konstantin Rodionova)

Schon früh ließ Glazunow ein besonderes Talent zum Komponieren erkennen. Als er 16 Jahre alt war, war seine 1. Symphonie bereits in der russischen Hauptstadt St. Petersburg uraufgeführt worden. Ebenso wie seine Lehrer Rimsky-Korsakov, Borodin, Scrjabin und einige weitere Künstler wurde er von dem Mäzen Mitrofan Beljajew unterstützt. Die Musiker des so genannten ‚Beljajew-Zirkel' verbanden Elemente der russischen Volksmusik, wie sie den Stil der ‚Fünf' ausmachten, mit europäischen Kompositionsweisen, wie sie Tschaikowsky vorzog. Vielleicht lag es an dieser erfolgreiche Mischung, die Glazunow die russische Revolution und die folgenden Restriktionen durch den sowjetischen Staat erfolgreich überleben ließen.

Die Musik zum Ballett Raymonda entstand zwischen 1896 und 1897 im Auftrag des erfolgreichen Ballettmeisters Marius Petipa, dessen Oeuvre „Schwanensee", „Nussknacker" und „Dornroschen", alle zu Musik von Tschaikowsky, umfasst. 1897 im Mariinsky Theater uraufgeführt wird Raymonda als bestes Werk Glazunow gehandelt.

Die Geschichte Raymondas, von der Dichterin Lydia Pashkova, spielt in der Zeit der Kreuzzüge und wird in drei Akten präsentiert: Zu Beginn des Balletts werden zwei Liebende getrennt, als einer von ihnen, der Ritter, sich auf eine Pilgerfahrt begibt. Während er fort ist, wird das Mädchen von einem Sarazenenkrieger verfolgt, doch ihr Ritter kehrt gerade noch rechtzeitig zurück, um sie zu retten. Das Ballett endet mit ihrer Hochzeit und sie lebten glücklich bis an ihr Ende.

Im Ballett steht dieser Auszug, den Glazunow ,Andandet sostenuto' überschreibt, zwischen dem 1. und 2. Akt. Die Eröffnungsmelodie ist ursprünglich für zwei Klarinetten notiert. In der Transkription werden beide Melodielinien mit Doppelgriffen auf der Geige gespielt.

Wie durch Magie heraufbeschworen entsteht eine verträumt-verzauberte Atmosphäre. Dieses wunderschöne Arrangement für Geige und Klavier stammt von Konstantin Rodionova, Vorsitzender im Fachbereich Violine am Gnessiner Institut für Musik in Moskau und Zeitgenosse der großen sowjetischen Geiger David Oistrakh und Leonid Kogan.

Mir fiel diese Transkription erstmals bei einer Videoaufnahme eines Konzerts von Leonid Kogan auf, bei dem er von seiner Tochter Nina am Klavier begleitet wurde. Die unmittelbare Schönheit des Stücks zog mich sofort in seinen Bann, so dass ich mich sofort auf die Suche nach dem Notenmaterial machte. In diesem Zusammenhang bin ich meinem guten Freund Pavel Berman zu Dank verpflichtet, durch den ich letztendlich Zugang zu den Noten bekam, die schon seit längerer Zeit vergriffen sind.

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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