LEOŠ JANÁČEK
(geboren in Hukvaldy, Mähren; gestorben 1928 in Ostrava, Mähren)

Sonate für Violine und Klavier (1914; überarbeitet 1921)

1. Con moto
2. Ballada: con moto
3. Allegretto
4. Adagio

Leoš Janáček wurde 1854 in Mähren in eine Zeit des wachsenden Nationalismus und zunehmender politischer Unruhen geboren. Er fühlte sich seiner Heimat sehr verbunden und sein folkloristischer Hintergrund schlägt sich auch in seiner Musik nieder. Nachdem er den größten Teil seines Lebens als Chorleiter, Lehrer und Spezialist in ethnologischer Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Mähren verbracht hat, entwickelte er zudem ein großes Interesse an Sprechpatterns und daran, wie der Tonfall in bestimmten Situationen beeinflusst wird. Seine Studien führten ihn schließlich zu einer Theorie der Sprachmelodie - ein Ergebnis seiner Untersuchung zeigt sich im Experimentieren mit Tonhöhen von Worten und Sätzen, die fester Bestandteil seiner Musik sind.

Janáček wurde erst relativ spät als Komponist entdeckt. Nachdem er sich bereits teilweise aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte, sorgte seine Oper Janufa in Prag und Wien dafür, dass man international auf ihn aufmerksam wurde. Janáčeks Stil zeichnet sich durch eine extrem lebendige Darstellung intensiver psychologischer Vorgänge aus. Mal sind die vermittelten Emotionen rau, haarsträubend und erschreckend, dann wieder tragisch, sanft und bedrückend. Manche mögen seine Musik unruhig oder wahnsinnig nennen, wieder andere würden sie als besonders ehrlich in ihrer Konfrontation mit den Leiden und Ängsten des Lebens bezeichnen.

Die ersten Entwürfe der Sonate für Violine - eines der populärsten Instrumentalstücke Janáčeks - stammen aus dem Jahr 1914. Nach zahlreichen Überarbeitungen wurde sie 1921 fertig gestellt. Als viersätziges Werk spielt es auf die verstörenden Ereignisse des ersten Weltkrieges an.

Der erste Satz, Con moto, beginnt mit einem kühnen einleitenden Violinensolo, auf das beinahe direkt das erste Thema folgt. Während des Satzes vermischen sich fragmentarische, kryptische Motive mit längeren Phrasen. Als sich das Ende des Satzes ankündigt, steigert sich die Spannung, bis sie schließlich, überraschend friedlich, in einen angenehmen Des-Dur Dreiklang mündet.

Die folgende Ballada vermittelt einen Eindruck von Sanftheit und Simplizität. In diesem lyrischsten Satz der Sonate scheinen die Noten mit Leichtigkeit von der einen zur anderen zu fließen. Eine improvisatorische, furchtsame Episode unterbricht gegen Ende des Satzes kurz die Stimmung - doch die Gelassenheit kehrt schnell zurück.

Das Allegretto hat die Form eines Scherzos. In diesem dreiteiligen Satz beginnt der erste Part (mit gleichem Material wie der letzte Teil) mit einer vergnügten Folkmelodie über einer Reihe von geräuschvollen Trillern im Klavier, von der Violine in regelmäßigen Abständen durch schrille chromatische Figuren unterbrochen. Der Mittelteil ist fast pseudoromantisch.

Der Finalsatz, Adagio, ist der rhapsodischste Satz der Sonate. Das Hauptmotiv stellt die Violine mit ihren immer wiederkehrenden, wilden, manchmal gedämpften Einwürfen, welche eine erhebliche Irritation der wehmütigen Klavierlinie darstellen. In die thematische Hauptlinie werden zwei kontrastierende Ideen eingeworfen. Die eine ist eine fröhliche Melodie voller Hoffnung und Lebenslust, die andere verdeutlicht das, was Janáček als den majestätischen Einmarsch der Russischen Befreiungsarmee in Mähren beschreibt. Das Stück endet, als das Hauptmotiv langsam verklingt, während die stetig ansteigende, gespannte Ahnung einer unabwendbaren Katastrophe die Luft erfüllt.

 
 
 
  Notes © 2004 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
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