CLAUDE DEBUSSY
(geboren 1862 in St. Germain-en-Laye; gestorben 1918 in Paris)

Sonate für Violine und Klavier (1916)

1. Allegro vivo
2. Intermède, fantasque et léger
3. Finale: Très animé

Claude Debussy litt bereits an Krebs als er 1915 das Projekt, sechs Sonaten für verschiedene Instrumente zu schreiben, in Angriff nahm. Trotz seiner schwindenden Gesundheit hörte er teils auch wegen finanzieller Gründe nicht auf, zu komponieren. Von sechs geplanten Werken allerdings konnte er nur drei fertig stellen, von denen die Violinsonate eines ist.

Von Ravel gefeiert, von Saint-Saëns verachtet, war Debussy patriotischer Franzose, der hart an der Erhaltung der französischen Kultur arbeitete. Seine Oper „Pélleas und Mélisande" von 1902 war ein Meilenstein der französischen Musik, der sowohl seine Zeitgenossen als auch jüngere Komponisten stark beeinflusste. Als einer der ersten und führenden impressionistischen Komponisten betrachtet, war Debussys Stil gekennzeichnet durch Japonismus und innovative Harmonien und Klangfarben, die sich zudem durch Understatement und emotionale Wärme auszeichneten.

Die Herausforderung des Duos für Violine und Klavier in dieser Violinsonate liegt in der Zusammenarbeit von Sinnen und Geist. Anders als andere Sonaten aus früheren Perioden, oder auch aus Debussys Zeit selbst, begleiten sich die beiden Instrumente nicht per se. Vielmehr führt immer ein Instrument, indem es die Energie gegen die Melodie oder das Motiv des anderen führt. Dies schafft automatisch eine andere Art von Klangfülle und Textur; die zwei Instrumente fordern sich gegenseitig heraus, doch ihre Auseinandersetzung bringt sie gleichzeitig näher zusammen.

Die Violinsonate war Debussys letztes abgeschlossenes Werk. Er vollendete den dritten und letzten Satz im Oktober 1916, vier Monate vor der Fertigstellung der anderen zwei Sätze. Es ist ein Stück, das von tiefer Melancholie durchsetzt ist, und charakteristische Züge aufweist, die Debussys Werk von allen anderen absetzt: ein Hauch von Fantasie, Freiheit und emotionaler Tiefe.

Die pointierten Anfangsakkorde des ersten Satzes, Allegro vivo, im Klavier versetzen den Hörer unmittelbar in eine gedämpfte Atmosphäre umgeben von Nostalgie und Traurigkeit. Der Satz ist erfüllt von rhythmischer und harmonischer Mehrdeutigkeit mit einem treibenden Moment ohne Rücksicht auf Schnelligkeit. Im Kontrast dazu ist der Mittelsatz, wie bereits seine Überschrift Fantasque et léger andeutet, größtenteils leicht und fantasievoll, kapriziös mit ein wenig Koketterie und einem zweiten Thema, das überraschend melodiös und sinnlich ist.

Der letzte Satz, Très animé, beginnt mit treibenden Noten im Klavier, zeitweise durch melodische Betonungen des zweiten Themas aus dem vorherigen Satz unterbrochen. Die Geige gesellt sich dann mit dem nostalgischen Thema vom Anfang der Sonate in leicht abgewandelter Form hinzu. Den Hauptteil des Satzes macht jedoch eine Demonstration spritziger Lebendigkeit aus. Debussy setzt besonders die höchsten Tonlagen ein, die die Geige zur Verfügung stellt, und geht von der leeren G-Saite (die tiefste mögliche Note auf diesem Instrument) bis zu dem Cis drei Oktaven und einen Halbton über dem mittleren C. Vom Klavier verlangt er eine tremoloartige Geschwindigkeit mit atmosphärischer Leichtigkeit des Anschlags.

 
 
 
  Notes © 2004 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Nicolai Burchartz
Referential sources available on request.