LUDWIG VAN BEETHOVEN
(geboren 1770 in Bonn; gestorben 1827 in Wien)

Sonate Nr. 10, G-Dur, Op. 96 (1812)

1. Allegro moderato
2. Adagio espressivo
3. Scherzo: Allegro
4. Poco allegretto


Beethoven etablierte neue Standards und hob den Bereich der klassischen Musik auf einen höheren Level. Seine Musik verfehlt es nie, uns in unserm Innern zu berühren und erinnert uns daran, an die kleinen Mängel des menschlichen Charakters zu glauben. Er war die Inspiration für Filme, Romane, Gemälde, wissenschaftliche Werke und sogar für Comics. Ironischerweise sind es gerade diese Erscheinungen — darunter auch filme wie „Immortal Beloved", Bilder von Klimt und Warhol und sogar die „Peanuts" —-, die dafür sorgen, dass sein Name und sein Ruhm in die nächsten Generation getragen werden, die unter Umständen seine Musik gar nicht kennen.

Als Jugendlicher bemerkte Beethoven seine extremen Stimmungsschwankungen. Seine Launen und sein unbeständiges Temperament scheinen von pathologischer Natur gewesen zu sein. Wahrscheinlich schon 1796, sicher aber 1801, wurde sich Beethoven außerdem seiner zunehmenden Probleme mit dem Gehör bewusst, die kontinuierlich bis zur Taubheit fortschritten. In der modernen medizinischen Forschung vermutet man, dass der Grund für Beethovens Taubheit Syphilis gewesen ist. So oder so war seine fortschreitende Taubheit ein entscheidender Faktor für seine emotionale Instabilität und aus den Briefen an seine Brüder geht deutlich hervor, dass er zeitweise unter psychologischen Verstimmungen litt, die psychotische Ausmaße annahmen.

Beethoven schrieb insgesamt zehn Sonaten für Klavier und Geige. In allen von ihnen behandelt er die beiden Instrumente gleichberechtigt. Während die traditionellen Werke des Sonatengenres aus der klassischen Periode — darunter auch die von Mozart —- die Violine dem Klavier unterordnen, wurde die Gleichberechtigung beider Instrumente durch Beethoven als ungewöhnlich angesehen und hatte eine große Wirkung auf spätere Komponisten.

Vollendet 1812, besitzt Beethovens letzte Sonate für Klavier und Geige eine lyrische Gelassenheit, die sie von den vorhergehenden neun Sonaten abhebt. Beethovens ergebenem Mäzen, Erzherzog Rudolf, gewidmet wurde sie 1812 mit dem Erzherzog selbst am Klavier und Pierre Rode an der Violine uraufgeführt.

Der erste Satz, Allegro Moderato, eröffnet mit einem Fragment aus drei Einheiten (eine Viertel, zwei Achtel, eine Viertel), die zuerst von der Geige gespielt und dann im Klavier wiederholt werden. Der Satz geht weiter, indem sich jede neue Melodie aus der vorhergehenden entwickelt. Das zweite Thema ist ein Zeichen für Beethovens Faszination für das Militärische.

Der hymnenartige zweite Satz ist mit Adagio Espressivo überschrieben und wird als einer der schönsten langsamen Sätze aus Beethovens Kammermusik gehandelt. Die Musiker müssen scheinbar in Zeitlupe atmen, um der lyrischen, durchgehenden Linie den Weg zu bereiten. Das folgende Scherzo in g-Moll ist der einzige Teil des Stücks, der eine ängstliche Stimmung vermittelt. Das Trio im Mittelteil des Satzes hingegen steht dazu mit seiner Haupttonart Es-Dur und seinem Tanzstil im Dreivierteltakt in Kontrast.

Der letzte Satz, Poco Allegretto, ist eine volkstümlich klingende Sammlung loser Variationen mit einem fließenden Charakter ähnlich dem ersten Satz. Im Mittelteil des Satzes befindet sich die Adagio Expressivo Variation — stark ornamentiert und mit Ähnlichkeit zum hymnenartigen zweiten Satz. Das Thema des Satzes kehrt nach einem fragmentarischen Zwischenspiel, das überraschenderweise in Es-Dur steht, zurück. Die stürmische Allegro-Variation übernimmt schnell mit einer Flut von Sechzehnteln, die sich rasant von D-Dur zur Grundtonart G-Dur bewegen. An dieser Stelle setzt abrupt eine Variation im Kanon ein, bevor schließlich das Grundthema wiederkehrt. Der Zuhörer wird dann erneut mit einer Wendung zum poco Adagio überrascht, das dann direkt durch das lebhafte aber kurze Presto in acht Takten unterbrochen wird, welches zum letzten Akkord, G-Dur, führt.

 
 
 
  Notes © 2004 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., übersetzt von Nicolai Burchartz
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