MAURICE RAVEL
(geboren 1875 Basses Pyrénées, Frakreich; gestorben 1937 in Paris)

Tzigane (1924)

Maurice Ravel ist neben Debussy einer der bedeutendsten französischen Impressionisten. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Komponist war er außerdem ein vielseitiger Pianist und Dirigent. Als Komponist zeigte er sich oft fasziniert von der Interpretation eines Themas, sowohl musikalisch als auch inhaltlich, wie seine wohlbekannten Werke wie Rhapsodie Espangnole, über ein spanisches Thema, und Tzigane, über ein ungarisches Thema, beweisen.

Geboren in einen Haushalt voller kultureller Aktivitäten unterstützten Ravels Eltern — die französischer und baskischer Herkunft waren — die musikalischen Talente und Interessen ihres Kindes. Obwohl er in Basses Pyrénées geboren wurde, verbrachte Ravel seine Kindheit fast ausschließlich in Paris, der Hauptstadt der Intelligentia und der künstlerischen Trends, wo das zunächst „Exotische" bald zur Mode wurde.

Tzigane, das Ravel in seinen Vierzigern schrieb, wurde zunächst für Geige und Klavier konzipiert, später aber arrangiert für Geige und Orchester. Heute wird es immer noch mehr in der Originalversion für Geige und Klavier gespielt. Das Wort tzigane ist französisch für „Zigeuner".

Der ungarischen Geigerin Jelly D'Aranyi, einer Großkusine des legendären Violinisten Josef Joachim, gewidmet, entwickelte sich das Werk aus Ravels Interesse für Zigeuner und die ungarische Kultur. Es kann grob in zwei Sektionen unterteilt werden: die Kadenz und die Post-Kadenz. Die Kadenz könnte man als den deklamatorischen Monolog eines Zigeuners über sein Leben - sein Leid, sein Kummer, seine Erinnerungen, Lebensumstände und Träume — verstehen. Als die Kadenz endet, werden wir in die Landschaft versetzt, in der die Zigeuner leben. Wir haben Teil an ihrer Fröhlichkeit in einem Part der in einen festlichen, wilden Tanz in Form einiger loser Variationen mündet. Ravel bedient sich hauptsächlich zweier Themen: Das eine stammt aus der vorherigen Kadenz, das andere wird erst gegen Mitte des Hauptteils (Post-Kadenz) eingeführt.

Dem Geiger steht in diesem Stück eine Vielzahl von „Tricks" zur Verfügung, mit denen er seine Virtuosität und technische Gewandtheit demonstrieren kann. Die größte Herausforderung besteht jedoch in der Interpretation der Kadenz. Unzureichendes Spiel kann sie leicht endlos erscheinen lassen. Das Stück verlangt eine besondere Mischung aus Spontaneität, Einzigartigkeit und Koordination, alle schwieriger, als man zunächst annehmen möchte. Die Kadenz mit einem „wunderschönen Ton" zu spielen, kann das Problem auch nicht lösen. Es ist als wenn der Künstler das Geigespielen komplett neu erfinden müsste!

 
 
 
  Notes © 2003 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., übersetzt von Nicolai Burchartz
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