WITOLD LUTOSŁAWSKI
(GEBOREN 1913 IN WARSCHAU; GESTORBEN 1994 IN WARSCHAU)

Partita (1984)

1. Allegro giusto
2. Ad libitum
3. Largo
4. Ad libitum
5. Presto


Lutosławskis Partita ist ein Meisterstück für Violine und Klavier. Es enthält alles, was man sich für ein tief bewegendes musikalisches Werk wünschen kann: Das Leben, das in dieser Musik steckt, ist so gewaltig, dass sowohl es zu spielen wie es zu hören eine überwältigende Erfahrung ist.

Lutosławski komponierte die Partita 1984 im Auftrag des St. Paul Chamber Orchestra, seines damaligen Music Directors, Geiger Pinchas Zukerman, sowie des Pianisten Marc Neikrug. Der Komponist selbst sagte über das Stück: „Es ist eine meiner bedeutendsten Kompositionen." Die Partita war ursprünglich als ein Violin-Doppelkonzert mit Orchester geplant, wurde letztendlich jedoch in der vorliegenden Version fertiggestellt. Uraufgeführt im Januar 1985 durch Zukerman/Neikrug in St Paul, Minnesota, wurde das Werk schnell zu einem Hauptvertreter seines Genres. Die Orchesterversion, die der Komponist 1988 auf Anfrage von Anne Sophie Mutter anfertigte, steigerte die Popularität des Werks noch.

Als ausgebildeter Pianist und Geiger, besaß Lutosławski eine musikalische Erziehung, die durch die politische Situation in seinem Land stark gefährdet war. Lange Zeit war es ihm nicht möglich, seine experimentellen Kompositionen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Seine nicht konventionellen Techniken, wie seine harmonischen Anhäufungen und sein aleatorischer Stil dominieren nur in seinen späten Werken, obwohl er sie während der Jahre der Zensur im Stillen ausprobierte und weiterentwickelte.

Als Polen die Zensur in den 1980ern lockerte, komponierte Lutosławski seine Partita und zwei weitere Stücke für Violine, ein Instrument, für das er seit über 30 Jahren nicht mehr geschrieben hatte. Kurz vor seinem Tod 1994 arbeitete er gerade an einem Violinkonzert, einem weiteren großen Werk für dieses Instrument.

Die Partita ist in drei Abschnitte unterteilt, die von zwei halbimprovisatorischen ad libitum Sektionen in der aleatorischen Technik zusammengehalten werden. Zwischen den einzelnen Teilen existieren keine nennenswerten Pausen. Während des gesamten Stückes herrschen Leidenschaft und Dramatik und es wimmelt nur so von Halbtonbewegungen jenseits eines tonalen Kontextes, wiederholten Noten und Kreuzrhythmen. Dennoch ergibt sich daraus kein schwerer Cluster aus Tönen, atonalen Akkorden und rhythmischer Verwirrung, sondern es entstehen fabelhaft unabhängige Linien, die sich auf überzeugende und feinfühlige Weise treffen und wieder auseinander gehen.

Das Allegro giusto eröffnet mit einer unwiderstehlichen Dynamik und sowohl das Klavier als auch die Geige sorgen für einen treibenden Charakter. Eingebettet in den Satz finden sich packende Momente mit liedhaften Augenblicken und geheimnisvoller Melancholie, teilweise von gezielt eingesetzten glissandi, non vibrato und Vierteltönen begleitet.

Das Ad libitum, welches das Allegro giusto und das Largo verbindet, stellt den zweiten Satz. Hier wie auch in anderen Ad libitum Sequenzen, die später im Stück wiederkehren, findet sich ein schönes Beispiel für eine aleatorische Passage, in welcher der Komponist den Spielern explizit die Anweisung erteilt, dass „die Parts von Geige und Klavier in keiner Weise koordiniert werden sollen". So spielt jeder seinen Part wie eine improvisatorische Kadenz. Die Intensität der Musik steigert sich immer weiter, um mit Begin des Largos zum Höhepunkt zu gelangen.

Das emotionale Herzstück des Werks ist zweifellos das Largo; die innere Stärke der Musik wächst beständig, und man spürt einen Hauch von Unabwendbarkeit, der vielleicht der treibenden Kraft des Lebens nachempfunden ist. Ein weiteres Ad libitum folgt auf das Largo und bereitet den Weg für den letzten Satz, in dem rhythmische Unregelmäßigkeiten eine innere Munterkeit und Energie verursachen. Der kurze Mittelteil, der an Szymanowskis Musik für Violine erinnert, weist einprägsame Harmonien auf der Violine, sowie auch siedende Klangfarben des Cantabiles im höchstmöglichen Register auf. Das abschließende Ad libitum geht unmittelbar dem Coda Teil des Satzes voraus, welcher das Werk zu einem spektakulären Ende treibt.

 
 
 
  Notes © 2004 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Peter Szesny
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