KAROL SZYMANOWSKI
(geb.1882 in Tymoszowska, Ukraine, gest. 1937 in Lausanne)

Notturno e Tarantella für Geige und Klavier, Op.28 (1914-1915)

Der Komponist und Pianist Karol Szymanowski wuchs in einem betont künstlerischen Elternhaus auf. Schon von frühester Jugend an wurden ihm und seinen vier Geschwistern Musik, Literatur und Malerei nahegebracht. Szymanowskis erster Klavierlehrer war sein Onkel Gustav Neuhaus, Vater des legendären Pianisten Heinrich Neuhaus. Aber den größten und produktivsten Einfluss auf ihn übte sein polnischer Freund Pavel Kochanski (1887-1934), ein bekannter Geiger und Komponist, auf ihn aus.

Für die polnische Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Szymanowski eine Schlüsselfigur; seine Klangpalette ist mit seiner ausgewählten fröhlichen Kombination aus Exotik, Empfindsamkeit, Mystik und Leidenschaft einmalig. Sein musikalischer Stil ist auch durchdrungen von Impressionismus, Expressionismus und Romantik. Zusammen mit Kochansky versuchte er eine neue Klangsprache zu konstruieren, indem die Klangfülle der beiden Instrumente vergrößert wurde. Szymanowski war dieser Partnerschaft mit seinem Werken für Geige und Klavier zu Dank verpflichtet; sie erreichten einen außergewöhnlichen phantasievollen musikalischen Effekt. Oft vermittelt diese Musik die Impression vom Fliegen und Herumwirbeln, von Sinnlichkeit und Überfluss.

Wenn man an Szymanowskis Nationalismus und sein Interesse an alten griechischen und orientalischen Texten denkt, scheint der spanische Titel „Notturno e Tarantella" außerhalb seines Gesamtwerks zu stehen. Doch er war wohl von der Musik Manuel de Fallas beeinflusst, der ein guter Freund Kochanskis war. De Falla widmete sein Werk „Siete canciones espanolas" (1914) der Frau von Kochanski .

Als Komponist war Szymanowski in den Jahren, in denen „Notturno e Tarantella" entstand am produktivsten. Abgeschnitten vom Rest der Welt durch den 1. Weltkrieg, lebte er auf dem Gut seiner Familie in der Ukraine. Er vertiefte sich vorwiegend in Literatur und Komposition. In dieser Zeit entstand auch sein 1.Violinkonzert und „of Myths", ein Triptychon für Geige und Klavier, das auf einer griechischen Sage basiert.

„Notturno e Tarantella" beginnt leise, die Geige ist gedämpft, in einer geheimnisvollen, nebelhaften, fast gespenstischen Atmosphäre. Bald schon übernimmt ein spanischer Rhythmus die träumerische Ruhe und erzeugt einen hellen Schein in der Nacht. Die dominierende Charakteristik in der folgenden Tarantella, sind frische, schlagende Laute der festlichen Tänze; nichtsdestotrotz ist ein Gefühl von Eleganz nie weit entfernt von der fröhlichen und glänzenden Stimmung.

 
     
  Notes © 2005 by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Ingrid Schiller
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