JOHANN SEBASTIAN BACH
(geb. 1685 in Eisenach; gest. 1750 in Leipzig)

Sonate a-moll für Solovioline BWV 1003 (1720)
Aus den Sechs Sonaten und Partiten ohne Bass

1. Grave
2. Fuge
3. Andante
4. Allegro


Johann Sebastian Bachs Musik benötigt keine Einführung. Für einen so berühmten und bewunderten Komponisten ist es aber verwunderlich, wie wenig im allgemeinen über sein persönliches Leben bekannt ist, außer dass er zwei Frauen und 20 Kinder hatte und ein überzeugter Lutheraner war, der lange Zeit seines Lebens inner- und außerhalb der Kirche tätig war. Seine Musik genießt überall großes Ansehen. Seine Werke versinnbildlichen die Musik als eine internationale Sprache.

Nach Bachs Tod 1750 wurden seine Werke fast einhundert Jahre gar nicht beachtet und die wenigen Menschen, die ihn kannten, erinnerten sich vorwiegend an ihn als Organisten, anstelle des Komponisten. Die Wiederentdeckung Bachs begann im Jahr 1802 mit der Publikation einer Biographie des deutschen Musikwissenschaftlers Johann Nikolaus Forkel, der schrieb: „Dieses außerordentliche Genie, dieser Prinz der Musik ... Zwerge sind alle anderen im Vergleich zu seiner Größe".
1829 dirigierte der junge Felix Mendelssohn Bartholdy in Berlin die Matthäuspassion, die vorher noch nie außerhalb Bachs eigener Leipziger Kirche aufgeführt worden war. Eine Aufführung der Johannespassion folgte 1833. Camille Saint-Saëns - und auch andere Komponisten - fertigten Transkriptionen von Bachs Werken an und rückten sie so ins Interesse eines breiteren Publikums. 1850 wurde eine komplette kritische Ausgabe der Bachschen Werke begonnen - es dauerte 50 Jahre, sie fertigzustellen.

Bach komponierte die „Sechs Sonaten und Partiten ohne Bass" für Solovioline 1720 während der sechs Jahre, in denen er am weltlichen Hofe von Prinz Leopold von Köthen-Anhalt angestellt war. Zu dieser Zeit hatte er keine liturgischen Pflichten, wie bei früheren Anstellungen; daher waren die meisten Kompositionen, die er in Köthen schrieb, weltlich und instrumental. Die Brandenburgischen Konzerte, das Wohltemperierte Klavier und die Sechs Suiten für Cello stammen ebenso aus dieser Periode.

Wie auch die übrigen Werke Bachs gerieten auch die Sechs Sonaten und Partiten nach seinem Tod in Vergessenheit. Sie konnten erst 1854 mit einer originalen Klavierbegleitung durch Felix Mendelssohn wieder in die Musikwelt zurückgeführt werden. Einige Jahre später gab sie der Geiger Ferdinand David in einer neuen Edition heraus und auch Joseph Joachim, der sie regelmäßig in seinen Konzerten spielte, half ihrer Popularität. Sechs Sonaten und Partiten (eigentlich 3 Sonaten und 3 Partiten) bilden dank ihrer Komplexität und Schönheit den Höhepunkt des Geigenrepertoires. Mit kraftvollen Emotionen und mitreißender Leidenschaft bringen diese Stücke den Künstler an seine Grenzen von Technik und Musikalität. Viele Geiger meinen, dass ein Leben nicht lang genug sei, um diese großen Werke zu meistern.

Es sind oft Veränderungen an modernen Geigen vorgenommen worden, um die Spannung der Saiten im Verhältnis zu verschiedenen Teilen des Instruments zu erhöhen um das Tonvolumen zu maximieren und damit den Anforderungen der großen Konzertsäle genüge zu leisten. Während der Zeit Bachs hatten die Geigen kürzere Griffbretter und niedrigere Stege; dadurch war das Spielen von Doppel- und Dreifachgriffen weniger schwierig als bei den der heutigen Zeit angepassten Geigen. Bachs Werke demonstrieren meisterlich den Kontrapunkt, der vorschreibt, dass viele Stimmen gleichzeitig gespielt werden, dabei aber die Unabhängigkeit der Stimmen erhalten bleibt. In den Fugen der sechs Sonaten zum Beispiel (Bach folgte der Satzstruktur langsam-schnell-langsam-schnell in allen drei Sonaten, mit der vierstimmigen Fuge stets im zweiten Satz) sollen die verschiedenen Stimmen so gespielt werden, als wurden sie von verschiedenen Geigern gespielt.

Die Sonate Nr. 2 in a-moll beginnt feierlich mit dem Grave-Satz. In dieser düsteren Eröffnung sind die Melodien bereits lyrisch reich verziert, und enthalten ungewöhnlich große Intervalle für Barockmusik - gewiss die großten Sprünge in den Kopfsätzen der drei Sonaten. Die letzten zweieinhalb Takte dienen als Brücke zum nachsten Satz, der Fuge. Die ersten neun Noten der vierstimmigen Fuge bilden die rhythmische Grundlage des gesamten Satzes, jede Stimme ubernimmt im Wechsel die Führungsrolle. Es gibt keinen bemerkenswerten Bruch in diesem langen Satz; die Musik steigert sich in ihrer Intensitat bis zum Höhepunkt am Ende des Satzes.
Der dritte Satz, Andante, erinnert an eine Prozession. Die beiden Stimmen übernehmen bestimmte Rollen, die sie durch den ganzen Satz halten: die eine führt eine ariengleiche Melodie an, die andere ist wie ein striktes Ostinato in Achtelläufen. Der verhaltene Klang des letzten gebrochenen Akkords verklingt im schnellen Allegro des Schlusssatzes. Hier gibt der Komponist speziell die Dynamiken forte und piano an, sowie auch die Bögen, die das legato verstärken, und Angaben zur Artikulation des Notentexts. Die 32stel Noten bestimmen durchweg die Richtung und Stimmung des Satzes und beeinflussen das fließende Moment mit raffinierten Überraschungen.

 
     
 
(Mai 2005)
 
 
 
  Notes © 2005by Midori, OFFICE GOTO CO., LTD., translated by Peter Szesny
Referential sources available on request.