EDWARD GRIEG
(Geb. 1843 in Bergen; gestorben 1907 in Bergen)

Sonate Nr.1 in F-Dur, Op.8 (1865)

1. Allegro con brio
2. Allegretto quasi Andante
3. Allegro molto vivace


Edward Grieg war ein aufstrebender Komponist von 22 Jahren, als er seine erste Violinsonate schrieb. Er verbrachte den Sommer 1865 in Rungsted in der Nähe von Kopenhagen, nachdem er einige Jahre am renommierten Leipziger Konservatorium studiert und durch Brahms und Schumann die deutsche Romantik gründlich kennengelernt hatte. Dazu kam sein steigendes Interesse an der skandinavischen Volksmusik - insbesondere der norwegischen - wofür er später so berühmt werden sollte. Griegs berühmteste Werke, Peer Gynt, die Holberg Suiten sowie das Klavierkonzert a-Moll, erweisen dem norwegischen Erbe ihre Ehre.

Grieg komponierte nur sechs Kammermusikstücke, davon drei Sonaten für Klavier und Geige, die zwischen 1865 und 1887 entstanden. Diese Sonaten hatten für Grieg eine besondere Bedeutung, so sagte er einmal: "Sie alle stehen für eine Phase in meiner Entwicklung: die erste ist naiv und ideenreich, die zweite nationalistisch, und die dritte hat einen weiteren Horizont. Jede von ihnen hat mir Glück gebracht."

Als Franz Liszt die Noten von Griegs erster Sonate sah, war er so begeistert, dass er den jungen Komponisten spontan einlud, ihn zu besuchen. Liszts enthusiastische Unterstützung half Griegs Ruf sehr und stärkte dessen Bewusstsein seines kompositorischen Talents.

Es überrascht nicht, dass sich in der F-Dur Sonate die deutscher Romantik stark präsent ist, obwohl sie mit Melodien und Harmonien der norwegischen Volksmusik durchzogen ist, welche Grieg mehr und mehr gefangennahm. Nach den beiden ruhigen Anfangsakkorden im Klavier beginnt die Geige sofort mit dem Hauptthema, das zugleich lieblich und erwartungsvoll ist. Der Eindruck von Wind, der sich im Fluß der melodischen Linie kräuselt, kommen zu der Phantasie und Frische in die Musik noch hinzu.

Manchmal wird Griegs Musik kritisiert, bekannt und nicht originell zu klingen. Sicherlich gibt es Stellen, an denen der Hörer denken könnte "Habe ich das nicht schon einmal irgendwo gehört?" Aber der Unterschied liegt in seinem Fluß - was nichtsdamit zu tun hat, wie schnell oder wie langsam die Tempobezeichnung ist - und die feurigen, temperamentvollen Abschnitte, in deren Innerstem immer Phantasie und einfache folkloristische Empfindungen zu finden sind. Diese Merkmale sind bereits in den frühen Werken deutlich, inklusive der F-Dur Sonate.

Der heitere erste Satz endet überraschenderweise ruhig, gefolgt vom zweiten in Scherzoform, in dem ein altmodischer Tanz in a-Moll in einen festlichen Volkstanz in A-Dur eingeschoben ist. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise folgt das Scherzo dem langsamen Satz. Das Allegro molto vivace als Finale der Sonate kehrt zur einleitenden, heiteren Stimmung zurück. Es ist sogar noch eifriger und energischer als das anfängliche Allegro con brio und eröffnet beiden Instrumenten mehr Möglichkeiten für Virtuosität, ohne sich zu weit von der aufblitzenden Zartheit zu entfernen.

Grieg war sehr stolz auf seine F-Dur-Sonate. Sie wurde in Christiania (das heutige Oslo) 1865 uraufgeführt in einem Konzert, dass ganz der norwegischen Musik gewidmet war, und Grieg verfocht sie weiterhin. Die Sonate wurde von dem berühmten Geiger Josef Joachim noch zu Griegs Lebzeiten bekannt gemacht, der sie oft zusammen mit Grieg am Klavier spielte. Obwohl der Geiger Oscar Schumsky sie später auf seinen internationalen Rezitaltourneen aufführte, ist sie in den letzten Jahren fast in Vergessenheit geraten. Ein so wunderschönes und zugängliches Werk verdient es, besser bekannt zu werden.

 
 
 
 
 
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