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MAGNUS
LINDBERG Sonatas (1979) Drei Sonaten sind hier in einem Stück eingegliedert; eigentlich sind es drei Teile mit verschiedenen Charakteren, präsentiert als selbstständige Variationen, basierend auf ähnlichem Material. Anstatt jeden einzelnen Teil als Satz zu bezeichnen, nennt Lindberg ihn Sonate; dabei leiht er den Namen von Sonaten für Streichquartett (1967), einem 40 minütigen Werk von Brian Ferneybough, einem Mentor Lindbergs. Jede Sonate hat einen ausgeprägten Charakter und der Komponist unterscheidet deutlich, indem er jede mit einer anderen Sprache bezeichnet: deutsch, französisch und italienisch. Man kann in puncto Artikulation, Temperament und dem nationalen Charakter einen Zusammenhang herstellen zwischen jedem der drei Teile mit der ihm zugewiesen Sprache. Die deutsche Sonate unter der Überschrift Mäßig beginnt auf nasale, minimalistische Weise. Der Violinist muss bestimmte Noten ausdrücklich ohne Vibrato spielen, um den Eindruck der Bewegungslosigkeit zu hervorzuheben. Der Satz ist starr und etwas eckig. Die zweite Sonate, die Französische, startet sanfter und leichter, aussi léger que possible. Andere Hinweise lauten étincelant (funkelnd) und lointant (entfernt). Der italienische Teil beginnt mit extremer Energie und Kraft und ist molto agitato überschrieben. In dieser kurzen Komposition zeigt der junge Lindberg eine erstaunliche Fähigkeit, musikalische Dramaturgie zu entwickeln und Zeit und Impuls zu manipulieren. Nach Lindbergs Aussagen war dies das Werk, in welchem er den Unterschied zwischen progressiver und statischer Form erforschte. Das bedeutet, dass sich sogar in den 'statischen' Momenten musikalischer Impuls und konstante kinetische Bewegung findet. Das harmonische Vokabular in Lindbergs Sonatas für Geige und Klavier nimmt eine Vielfalt zeitgenössischer Traditionen in Anspruch: Tritoni, reine Quarten in den Harmonien, dissonante Cluster, Ganztonleitern und starre unisono-Teile. Die Geige verwendet glissandi und Viertelton-Schwankungen, während die Klavierstimme wild und extravagant daherkommt und dabei die gesamte Klaviatur in einer oftmals brutalen Weise ausnutzt. Lindberg sondiert
auch die akustische Beziehungen zwischen den Instrumenten, so mit der
Tonhöhe der Geige, die sich aus den dissonanten Clustern ergibt,
die langsam in den Klavierpart übergehen. Die Musik hat kompromisslose
modernistische Tendenzen, man kann sie vielleicht "postexpressionistisch"
nennen. |
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