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FRANZ
SCHUBERT Sonatine
in D-Dur D384, op.posth. 137, Nr.1 (1817)
Schubert wird vor allem wegen seiner Melodien und der intensiven Lyrik seiner Lieder geschätzt, doch finden sich diese ebenso in seinen Instrumentalwerken: die charakteristischen chromatischen Modulationen, die Tonartwechsel zwischen Dur und Moll und seine pastoral-ländliche Klangsprache.
1817 komponierte er vier Sonatinen für Violine und Klavier. Gerade 20 Jahre alt, hatte er bereits eine große Zahl von Kompositionen fertiggestellt, so z. B. die wundervollen Lieder "Gretchen am Spinnrad" und "Der Erlkönig" ; seine bedeutendsten Kompositionen aber, wie die späten Sonaten und Quartette, " Die Schöne Müllerin" , " Winterreise" und die Symphonien Nr. 8 und 9 sollten folgen.
Die Sonaten, die Sonatinen genannt werden, um sie für Laienmusiker attraktiver zu machen, sind beiden Instrumenten auf den Leib geschrieben - da Schubert seit seinem 6. Lebensjahr beide Instrumenten beherrschte, ist das nicht weiter verwunderlich. Er vereint dramatisches Flair, großartige Instrumentierung und den Sinn für Zusammenarbeit und Konversation der Instrumente, was er schon in seinen früheren Werken wie den Klaviersonaten und der Kammermusik für Streicher entwickelt hatte.
Der erste Eindruck der Sonatine in D-Dur ist der des spontan Lyrischen und Natürlichen der Melodie, von Einfachheit, Süße und Eleganz. Durch das ganze Werk hindurch fließen eingängige Themen von einem Satz in den nächsten. Schon die Töne allein verzaubern jeden Musiker, doch die Herausforderung besteht darin, eine künstlerische Aussage zu vermitteln, das das Organische des Werkes nicht stört. Die Sonatine ist so unwiderstehlich für den Hörer wie vergnüglich für den Musiker. Um eine musikalische Interpretation liefern zu können, muss man sich zunächst mit Schuberts delikaten aber verschiedenartigen Schattierungen, Strukturen und Absichten vertraut machen.
Eine erfolgreiche Gestaltung des Werks erfordert Interpreten, die die Musik respektieren und ihren natürlichen Ausdruck anerkennen. Gleichzeitig muss der Musiker durchgängig sehr aufmerksam sein, um die heikle, zunächst vielleicht unterbewertete Steigerung im musikalischen Kontext in jedem Moment hörbar machen zu können: So wie der Blick von einem mitten auf dem Ozean fahrenden Schiff, der einen erst einmal eine ungeheure Weite von Wasser erblicken lässt, die sich durch die Bewegung des Lichts, des Windes und der Tiefe verändert.
Der erste Satz beginnt auf ähnliche Weise wie Mozarts Sonate in e-Moll, KV 304: die oktavierte Melodie in den drei Stimmen, das Tempo angenehm plätschernd, betitelt mit Allegro molto , im Alla-Breve-Takt.
Im folgenden Andante formieren die drei Teile eine ABA-Struktur. In den A-Teilen, deren Charakter recht fröhlich ist, übernimmt das Klavier meist die Führung. Doch im Mittelteil ist es die Geige diejenige , die schmucklos, aber mit ruhiger Leidenschaft singt.
Im Gegensatz zum ersten Satz, wo die Instrumente das Thema unisono vorstellen, und zum zweiten, der mit einem Klaviersolo beginnt, erklingt das Eröffnungsthema im dritten Satz in der Geigenstimme. Das glückselige Finale ist stilistisch rustikal und verschwenderisch heiter. |
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