LUDWIG VAN BEETHOVEN
(Geb. 1770 in Bonn; gestorben 1827 in Wien)

Sonate für Klavier und Geige Nr.7 in c-Moll, op.30, Nr.2 (1802)

1. Allegro con brio
2. Adagio cantabile
3. Scherzo
4. Finale: Allegro - Presto

In der Kompositionstheorie wurde während des 18. und 19. Jahrhunderts behauptet, dass bestimmte Tonarten eine bestimmte Charakteristik aufweisen. Über die Tonart c-Moll sagte man beispielsweise, sie besitze "tono tragico, e atta ad esprimere grandi disavventure, morti di roi" . ( "Tragischen Ton, Ausdruck großen Unglücks, Heldentod")

 

Diese Beschreibung charakterisiert Beethovens Sonate op. 30, Nr. 2 in c-Moll. 1802 komponiert, kann die Sonate als das erste monumentale Werk der Literatur für Violine und Klavier betrachtet werden. Bezeichnend ist, dass alle sieben Instrumentalwerke, die Beethoven in dieser Phase schrieb, die Sonate op. 30 Nr. 2, die Sonate Pathétique , das Streichtrio op. 9 Nr. 3, das 3. Klavierkonzert und drei weitere Kompositionen, alle in c-Moll stehen. Die Stimmung, die diese Tonart vermittelt, passt zu der inneren Unruhe, die Beethoven gefühlt haben muss , als ihm zunehmend bewusst wurde, dass er langsam taub wurde.

 

Das emotionale Klima des ganzen Stücks wird schon in der schicksalhaften Eröffnung festgelegt. Die ungestüme Wucht, die plötzlichen Wechsel und die tragische Klangfülle sind kombiniert mit melodischen, zum Teil verspielten Teilen und das, ohne ein Durcheinander zu schaffen, sondern ein Werk von epischen Maßen mit großer Kraft und Festigkeit.

 

Die Sonate beginnt mit eher zurückhaltender Dynamik und mysteriösen Oktaven. Die Transparenz der Oktavklänge, verbunden mit der Stille der Pausen, steigert nur noch die Intensität und die Furcht, gefolgt von gehetzten Läufen und plötzlichen Ausbrüchen. Dieser dunkle Beginn macht den Weg frei für einen kontrastierenden Abschnitt, in dem das Thema einem Militärmarsch gleicht.

 

Das Verhältnis der beiden Instrumente ist von komplementärer Natur, und die Zusammenarbeit bleibt das ganze Werk hindurch sehr intensiv. Während die Klangskala besonders vom Klavier inspiriert ist, wird die Wichtigkeit beider Instrumente gleichmäßig auf die beiden Parts verteilt.

 

Im langsamen Satz Adagio cantabile ist die liedhafte Beschaffenheit und die Gefühlswärme bezwingend. Das idyllische Thema, zunächst vorgestellt vom Klavier, wird im Laufe des Satzes in verschiedenen Formen präsentiert. Indes gibt es sogar in diesem, dem ruhigsten Satz der Sonate, zwei plötzliche Ausbrüche, in denen unerwartet ansteigende Tonleitern auftauchen. Ehe man aber den Schreck registriert, kehrt die Lyrik des Themas zurück.

 

Das rhythmische Gebilde des folgenden Scherzo erinnert den Hörer ganz klar an die militärischen Klänge aus dem ersten Satz. Jedoch steht es hier im Dreivierteltakt, und besonders im Mittelteil ( Trio ) dominiert die Empfindung eines deutschen Ländlers. Den Flügelteilen dieses Trios verleiht die gelegentliche Platzierung von Verzierungsnoten Humor und Esprit.

 

Im Finale kehrt die mit Angst und Schmerz durchtränkte Atmosphäre zurück. Das Tempo des Satzes ist ziemlich schnell, wie atemlos, und die plötzlichen Aus- und Abbrüche stechen daher noch auffälliger hervor. Die Coda (Tempobezeichnung: Presto ) empfindet man als wütend, und während die Sonate auf dem Tonika-Akkord c-Moll endet, bleibt das Gefühl von Unsicherheit und Nervosität bestehen - bis über die letzte Note hinaus.

 
 
(2005)
 
 
 
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