ARNOLD SCHÖNBERG
(geb. 1874 in Wien; gestorben 1951 in Los Angeles)

Phantasie für Geige mit Klavierbegleitung, Opus 47 (1949)

Arnold Schönbergs Phantasie für Geige und Klavierbegleitung ist das letzte Kammermusikwerk Schönbergs. Es wurde im September 1949 von seinem Widmungsträger Adolf Koldofsky zu Schönbergs 75. Geburtstag uraufgeführt.

Das allgemeine Publikum scheint Schönbergs Musik sowie die seiner Schüler, wie Anton Webern oder Alban Berg, zu fürchten. Es stimmt natürlich, dass Schönberg der Vordenker der atonalen Musik und der Erfinder der 12-Ton-Komposition war - beides nimmt man ihm unnötigerweise übel - ,aber um den Erfinder selbst zu zitieren, war der Grund ein anderer: "Mit zwölf Tönen zu komponieren ist nicht annähernd eine so abschreckende und außergewöhnliche Methode wie die Öffentlichkeit glaubt. Es ist vor allen Dingen eine Methode, die logische Ordnung und Organisation verlangt, bei der das Hauptergebnis die Verständlichkeit sein sollte." (Meine Evolution, 1949)

Schönberg komponierte nur zwei Werke für Geige: das Violinkonzert und die Phantasie. Indes kannte er das Instrument gut, da er von seinem 8. Lebensjahr an Geigenunterricht hatte und das Instrument schon früh in seiner Karriere in seine Kompositionen einbezog.

Am besten beschreibt man die Phantasie als ausdrucksvoll. Die Eröffnung ist wie eine leidenschaftliche Ansprache. Das Werk hat einen sich wandelnden Charakter, der von einem zum nächsten Abschnitt fließt, und sich innerhalb dieser von mysteriös, humorvoll und süß zu dunkel und gelassen verändert. Die tänzerischen Grazioso und Scherzando sind eher von Volksmusik beeinflusst als vom Wiener Walzer, inklusive einer Spur Jodeln für die Würze. Das frenetische Anfangsthema kehrt in der Coda zurück und bringt das Werk kurz darauf zu einem virtuosen Abschluss.

Das Stück ist eingängig und akribisch ausgearbeitet und basiert auf allen 12 Noten der chromatischen Skala, die in zwei Gruppen zu je sechs Noten aufgeteilt sind. Aus diesen Skalen konstruierte Schönberg elf solcher Gruppen bzw. Sparten. Die Phantasie auf diese Weise aufzugliedern lässt uns verstehen, wie Schönberg das Werk zusammengesetzt hat und vom analytischen Standpunkt aus seinen Erfindungsgeist zu schätzen. Wie auch immer, die Ausdruckskraft dieser Musik spricht für sich selbst.

 
 
(2005)
 
 
 
  Notes © 2005 von Midori, OFFICE GOTO CO., LTD.
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