RICHARD STRAUSS
(*1864 in München; gest. 1949 in Garmisch-Partenkirchen)

Violinsonate Es-Dur op. 18 (1887/88)

1. Allegro, ma non troppo
2. Improvisation: Andante cantabile
3. Finale: Andante
- Allegro

Richard Strauss war Zeit seines Lebens ein aktiver Musiker. Als Sohn eines professionellen Hornisten wuchs er von Musik umgeben auf. Er begann mit 4 Jahren, Klavier zu spielen, und bereits 2 Jahre später entstanden seine ersten Kompositionen. Strauss fuhr bis 1948 mit dem Komponieren fort, als ihn ein Jahr vor seinem Tod seine Krankheit zum Aufhören zwang. Während wir ihn heutzutage hauptsächlich als Komponisten in Erinnerung haben, so war er doch auch ein einflussreicher Dirigent. Tatsächlich war er neben Gustav Mahler einer der beiden großen Dirigenten/Komponisten seiner Zeit.

 

Strauss' musikalische Ausbildung, die zunächst sein Vater ubernahm, befasste sich besonders mit den Werken von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert. Vater Strauss verabscheute Wagner, den man als Avantgardisten und Vorreiter sah. Es hat eine gewisse Ironie, dass Richard Strauss später ein großer Förderer und Interpret von Wagners Musik wurde. Überdies wurde Strauss in den späten 1880er Jahren als der wichtigteste und fortschrittlichste deutsche Komponist seit Wagner gesehen.

 

Wir bezeichnen Strauss heute nicht als Wunderkind, obwohl er sicherlich eines war. Bereits mit 16 Jahren wurden seine Kompositionen verlegt und aufgeführt. Hans von Bülow, im Deutschland zu Strauss' Tagen ein großer Dirigent, nannte ihn die "bei weitem bemerkenswerteste Persönlichkeit seit Brahms". Später sollte Strauss die Regeln der symphonischen Form sowie des Klangs neu definieren.

 

Als Strauss die Violinsonate op. 18 komponierte, war er, obwohl erst in seinen frühen Zwanzigern, kein Anfänger mehr, weder in der Musikwelt noch im Komponieren von Geigenwerken. Er spielte seit seinem 8. Lebensjahr die Violine und hatte 1882 bereits ein Violinkonzert geschrieben. Dazu kommt, dass einige seiner Kammermusikstücke herausragende und anspruchsvolle Geigenparts haben. Man muss nicht erwähnen, dass seine gründliche Kenntnis des Instruments ein wichtiges Kapital war, um ein solch virtuoses Stück zu schreiben.

 

Die Violinsonate wird als Strauss' letztes "klassisches" Werk bezeichnet. Noch immer unter dem Einfluss seines konservativen Vaters stehend, folgen seine Kammermusikwerke, derer er aus der Zeit vor 1890 nur eine Handvoll hinterließ, allesamt dem klassischen Schema.

Strauss hat nur drei Sonaten geschrieben: die Cellosonate, die Klaviersonate und die Violinsonate - alle drei frühe Werke. Letztere wird als die reifste der drei bezeichnet; Strauss' musikalische Sprache, die in späteren Werken so selbstverständlich werden sollte, ist bereits erkennbar. Die beiden Instrumente, Violine und Klavier, sind dicht komponiert, die Melodielinien greifen ineinander und schaffen eine symphonische Textur. Obwohl mit Sonate betitelt, ist es, als spielten die beiden Instrumente ein Doppelkonzert.

Strauss komponierte die Violinsonate beeintruckt vom romantischen Zauber der Pauline de Ahna, die später seine Frau werden sollte. Das Werk ist voll jugendlicher Energie, Hoffnung und Erwartung. Auffällig ist die brennende Inbrunst der liedhaften Melodielinien, besonders im zweiten Satz, der den Hörer oft an die Lieder und Opern erinnert, die später in Strauss' Karriere entstehen sollten.

Der erste Satz wird kurz und fanfarenartig vom Klavier eröffnet. Sogleich folgt die ein bisschen betrübte, nachdenkliche Violinstimme. Doch dieser gedämpfte Moment ist nicht von langer Dauer, denn die beiden Instrumente steigen bald beide in die Höhe. Im zweiten Satz mit dem Titel Improvisation setzt Strauss die Violine wie einen Liedsänger ein. Kompiniert in der traditionellen Ternärform A - B - A sind die A-Teile besonders lieblich. Der B-Teil ist kapriziös und improvisatorisch, jedoch durchaus elegant. Streckenweise kommt in diesem Mittelteil der Dämpfer zum Einsatz. Der dritte Teil stürzt sich nach einer ruhigen, wenn auch dramatischen Einleitung in die Musik hinein, die Heroismus und Pracht suggeriert.

Von kompositorischem Interesse sind die besonderen rhythmischen Schemata, die aus punktierten Achteln/Sechzehnteln bestehen, gefolgt von einer Sechzehntel/Achtel und dann einer Triole. Dieses Fragment findet sich überall im ersten und dritten Satz. In all den ausgedehnten und überlappenden Melodielinien hält dieses rhythmische Motiv die Sätze und damit das ganze Stück zusammen.

Obwohl sie nicht als Gipfel der Violinliteratur bezeichnet wird, so hat Strauss' Violinsonate doch einen festen Platz im Repertoire der meisten großen Geiger des 20. Jahrhunderts und begeistert die Hörer noch heute mit ihrem Charme und innigen Melodien.

 
 
 
 
 
  Notes © 2002 von Midori, OFFICE GOTO CO., LTD.
Überarbeitet 2006
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