JAMES MACMILLAN
(* 1959 in Kilwinning, Schottland)

After the Tryst (1988)

 
 


In James MacMillans kompositorischem Œvre reflektiert er Interesse an seinen schottischen Wurzeln und der schottischen Kultur sowie seinen eigenen religiösen Überzeugungen. Viele seiner Werke geben Hinweise auf diese Elemente, so auch After the Tryst.

1988 vertonte MacMillan William Soutars Liebesgedicht The Tryst im Stil einer alten schottischen Ballade. Inspiriert von Soutars Beschreibung einer intensiven, leidenschaftlichen und doch erlöschenden Liebe, machte MacMillan aus der Volkslied- Melodie zwei klassische Kompositionen: Das Fragment After the Tryst für Violine und Klavier und im Jahr darauf das Orchesterwerk Tryst.

After the Tryst ist charakterlich beinahe schwärmerisch, akzentuiert durch Arpeggio-Akkorde in der Klavierstimme. Die Schwankungen zwischen Traum und beinahe Realität werden durch sforzandi verdeutlicht: starke, plötzliche Akzente auf Noten in der Violinstimme. Ebenfalls erwähnenswert sind die Gegenüberstellung von Kontrapunkt und homophonen Akkorden. In ersteren gibt es große Sprünge zwischen den Noten, oft mit drastischer Artikulation. Dies wird durch Glissandi kontrastiert, um das gedehnte Empfinden zu veranschaulichen. Weniger als drei Minuten lang scheint dieses Stück wie ein nachträglicher Einfall – am Ende klingt die Musik aus und verschwindet in der Ferne.

James MacMillan ist sicherlich besonders durch seine Orchesterkomposition The Confession of Isobel Gowdie bekannt, welche 1990 bei den BBC Proms in London uraufgeführt wurde. Seitdem hat er international den Ruf, gewichtige und dennoch zugängliche Musik zu schreiben, die den Einfluss schottischer Themen und Kultur reflektiert, aber auch Inspirationen von Katholizismus und Liturgie einfließen zu lassen. Als vielbeschäftigter Dirigent ist MacMillan seit 2000 Composer/Conductor des BBC Philharmonic.

 
 
(April 2008)
 
 
 
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