JOHN ADAMS
(* 1947 in Massachusetts/USA)

Road Movies (1995)

 
 

I. Relaxed Groove
II. Meditative
III. 40% Swing

 
 

Road Movies ist ein zentrales Werk John Adams’, obwohl Kammermusik nicht gerade einen großen Anteil in seinem Opus darstellt. Nach Jahrzehnten des Komponierens groß angelegter Opern und Orchesterwerke entdeckte Adams in den frühen Neunzigern den Übergang zum melodischeren Schreiben und wagte sich an Kompositionen für die Kammerbesetzung.

Adams spricht über die Road Movies als “Reisemusik”. Im ersten und dritten Satz setzt er einen wiegenden, schwingenden Rhythmus ein, der den Pulsschlag einer Fahrt auf offener Strecke widerspiegelt. Adams’ charakteristische minimalistische und serielle Kompositionstechniken sind das ganze Werk hindurch deutlich erkennbar.

Der erste Satz schreitet in einer geschichteteten Struktur voran und beleuchtet das Schlüsselbild in einer neuen Dimension bzw. zeigt die Spuren dahinter. Die Synkopen haben innerhalb des Tempos einen mehr humoristischen als verwirrenden Effekt. In dieser Musik resultieren die Unregelmäßigkeiten nicht aus komplexen Metrum-Wechseln sondern durch einen Wechsel der Betonungen, die mal auf den Haupzählzeiten und mal Offbeat liegen. Dadurch ergibt sich ein beinahe asymmetrisches Bild.

Im zweiten Satz ist die Grundstimmung eher kontmplativ, im Blues-Stil. Die tiefste Saite der Geige, die G-Saite, wird noch einen ganzen Ton auf F heruntergestimmt. Der zentrale Ton in diesem Satz ist das G, eine Septime über (bzw. eine Sekunde unter) dem F. Dieser Fokus auf der Septime ist ein Charakteristikum des Blues und wird gemeinhin ‘Blues-Septime’ genannt. Die heruntergestimmte G-Saite kreiert eine zerstreute Klangfülle und verleiht dem Satz träge Nonchalance. Die ruhige Attitüde steht in klarem Kontrast zu den Außensätzen, die sich eher durch rhythmische Munterkeit auszeichnen.

Der Titel des letzten Satzes, 40% Swing, bezieht sich auf die Computereinstellung MIDI. Die Violine und das Klavier “swingen” Seite and Seite, mal gemeinsam, mal unabhängig voneinander. Adams überschreibt den dritten Satz mit Nur für Allrad-Antrieb und dem Zuhörer bleibt, diese wilde Fahrt durchzuhalten.

(April 2008)

 
 
 
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