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HUW WATKINS Coruscation and Reflection (1998) |
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Coruscation and Reflection („Blitzen und Besinnung“) präsentieren Stimmungen, die sich diametral gegenüberstehen. Wie Ying und Yang ergänzen sich beide Stücke darin, die atmosphärische Erregung bzw. Ruhe des jeweils anderen zu betonen. Nach der Uraufführung von Coruscation 1998 durch den Geiger Daniel Bell (Mitglied des Petersen-Quartetts) befand der Komponist, dass das Stück ein Schwesterwerk brauche. Dies war die Geburtsstunde der Reflection. Beide können auch separat gespielt werden, obgleich sie für gewöhnlich als Paar aufgeführt werden, was auch die Intention des Komponisten ist. Beide Stücke sind geprägt durch den Gebrauch der pentatonischen Tonleiter (fünf Tonschritte pro Oktave). D und H (englisch B) sind in Coruscation die beiden eröffnenden Noten (die Initialen von Daniel Bell). Die Grundstimmung des Satzes ist jubelnd, die zahlreichen Hemiolen geben die nötige Würze hinzu. Obwohl die Vorwärtsbewegung große Spannung aufbaut, ist das Ganze eher von Humor als vom Geheimnisvollen geprägt. Die fortgesetzte Reihe steigender Motive, vor allem in der Geigenstimme, vermittelt den Eindruck permanenten Aufsteigens. Das Klavier dient dazu, durch einen gewissen festlich-perkussiven Gestus diesem Aufsteigen gelegentlich eine kleine Pause zu gönnen. Diese trommelartigen Töne kommen wiederum humorvoll, kräftig, im Verlaufe des Stücks mehr oder weniger unerbittlich daher und beenden Coruscation mit Nachdruck und einer gewissen Endgültigkeit. Reflection , dessen Name sowohl Stimmung als auch Stil des Werkes widerspiegelt, ist weitgehend auf die Stimmung fokussiert. Kompositorische Elemente und Ideen sind zwar eindeutig Coruscation entnommen, aber die zentrale Charakteristik des Satzes ist die Kontemplation. Der Violinpart ist ein erzählender Monolog. Eine Gruppe von schnellen Quintolen taucht immer wieder auf, bei denen nur die ersten beiden Noten betont werden (ähnlich wie ta-ta-a-a-a). Die gebrochenen Akkorde im Klavier erinnern an eine exotische Lyra und verbreiten ein Gefühl der Weite, was den Eindruck langsamer Bewegung unterstützt, das den ganzen Satz durchdringt. Auf dem Höhepunkt des Stücks scheint maximale Weite und größtmögliche emotionale Intensität erreicht, während die Violine zu extrem hohen Lagen aufsteigt. Am Ende des Satzes erinnern die kurzen Noten in beiden Instrumenten (pizzicato im Violinpart) an den Klang großer, fallender Wassertropfen, der sich langsam entfernt. Sowohl Violin- als auch Klavierpart fordern die Spieler technisch heraus. Nichtsdestotrotz sind sie perfekt auf die Sprache des jeweiligen Instruments zugeschnitten und lassen die Spielfreude nicht zu kurz kommen. Die Klangspektren sind allerdings eher gegensätzlich und führen die jeweiligen Klangwelten der Instrumente vor Augen. Der Erste, der mir die Werke Huw Watkins' näher brachte, war Alexander Goehr, einer seiner Lehrer, dessen Werk Suite ich für eines meiner ersten Neue-Musik-Programme vorbereitete. Goehr sprach sehr lobend über seinen Schüler, und nachdem ich dessen Musik gehört hatte, wusste ich, dass ich eines seiner Werke gerne in ein Rezital-Programm einbauen würde. Als ausgebildeter Pianist spielt Huw Watkins vor allem in Großbritannien sehr regelmäßig Konzerte und hat selbst zahlreiche Musik seiner Kollegen uraufgeführt. Für einen noch jungen Komponisten hat Huw Watkins bereits ein sehr profiliertes Oeuvre und zahlreiche Kompositionsaufträge vorzuweisen. Seine Musik reflektiert die Welt, in der wir leben, und spricht sie wiederum an; und es ist immer meine Philosophie gewesen, Musik in der Zeit zu hören, in der sie geschrieben wurde. (April 2008) |
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