Cape Cod Times, 2. August 2004

Midori definiert Virtuosität
Von Anna Crebo

Midori ist eine Geigerin unserer Zeit.

Sie spielt mit einer Leidenschaft und Wehmütigkeit, die das durchdringende Gefühl von Angst beschwören, und kombiniert dies mit einer unvergleichlichen technologischen Brillanz, die unser Zeitalter kennzeichnet. Wie ein filigraner, sorgfältiger Chirurg dringt sie — liebevoll und mit vollendetem Können — bis zur Essenz einer jeden Phrase, eines jeden Motivs vor und enthüllt seine Bedeutung.

Das viel bewunderte ehemalige Wunderkind setzt weder Klangfarben nur um ihrer selbst willen ein, noch bedient sie sich regelmäßig eines üppigen, vollen Tons, obwohl dieser und jeder andere vorstellbare Effekt sozusagen auf ihren Fingerspitzen liegt. ...

In dem ausverkauften Konzert der Geigerin am Freitag Abend in der Aula der Mashpee High School, schien das gebannte Publikum an jeder Note zu hängen, als lauschte es dem Gesang einer Lärche nach einem reinigenden Sturm, denn genauso spielte Midori. Jede Note und jede musikalische Nuance zählte.

Lebhafter Vogelgesang und ein heftiger Sommersturm sind von großer Bedeutung für Antonio Vivaldis „Frühling" und „Sommer" Concertos aus den „Vier Jahreszeiten" des Meisters der frühen Barock-Ära. Midori war Solistin in allen vier Konzerten — elegant unterstützt durch das Borromeo Streichquartett aus Boston, Peter Sykes (Cembalo) und den Franzosen Pascale Delache-Feldman (Bass).

In der zweiten Hälfte spielte Midori, unterstützt von Pianist Peter Vinograde, ein anspruchsvolles und gehaltvolles Rezital, das eine große Bandbreite ihrer musikalischen Vorlieben und ihrer scheinbar unbegrenzten technischen Fähigkeiten zur Gehör brachte.