Rezensionen aus Japan

Varie, Juli 2003

Midoris Mendelssohn ist ungemein raffiniert und romantisch. Früher hätte man ihre Interpretation vielleicht als konventionell bezeichnet, doch im Angesicht der wachsenden Popularität der authentischen Aufführungspraxis erscheint ihr Stil nun vielmehr kostbar. Ihre weiche Phrasierung und feinen Tempoveränderungen sind äußerst reizvoll und der Dialog mit den Holzbläsern der Berliner Philharmoniker im zweiten Satz ist ebenfalls wunderschön.

Bruch dagegen ist typisch für Midori. Vom ersten Satz an ist der Grad der Konzentration fast beängstigend: eine lebhafte, intensive Aufführung, bei der man förmlich sehen kann, wie das Kolophonium von ihrem Bogen fliegt. Die Berliner Philharmoniker mit Jansons strotzen ebenfalls vor Energie. Der erste Satz ist zwar mit „Vorspiel" überschrieben, ist aber alles andere als ein Präludium: Direkt von Anfang an ist er Teil des Gesamtwerks. Im zweiten Satz versinkt man gänzlich in einer Welt des wundervollsten Gesangs.


Sankei Shimbun, 29 Juni 2003

Von der ersten Note der beiden wohlbekannten Konzerte an, geht Midori zum Angriff über, kämpft mit dem Orchester und erschafft so Musik erster Güte. Wenn es die Musik verlangt, offenbart sie zutiefst Lyrisches, und das Stück gewinnt zum Ende hin unaufhörlich an Spannung und Energie. Ich habe noch nie eine solch sensationelle Aufführung gehört.


Record Geijutsu, Juli 2003

Diese Aufnahme von Midori besitzt die Charakterstärke und Entschlossenheit einer erfahrenen Künstlerin. Beim Hören des ersten Satzes [des Mendelssohn Konzerts], dachte ich unwillkürlich, dass einem eine solche Interpretation, bei der die Musik Eleganz, Grazie und Lebendigkeit trotz der technischen und geistigen Stabilität förmlich ausströmt, nicht oft begegnet. Der zweite Satz ist erneut einfach hinreißend. Unglaublich, welch exquisite, wundervolle Töne der Guarneri del Gesu „ex-Hubermann" zu entlocken sind. Und auch hier erwärmen tiefe Gefühle das Herz des Hörers. Der dritte Satz ist von himmlischer Leichtigkeit. Die Eleganz dauert an, ohne dabei an Überzeugung zu verlieren. Was mich am Ende der Aufnahme wirklich überraschte war, dass es sich hierbei um eine Liveaufnahme handelt. Der hohe Grad an Perfektion, den sie in einem Konzert erreicht, ist einfach unglaublich.

Bruch ist ebenfalls exzellent umgesetzt. Das Stück wurde im Juni 2002, sechs Monate vor der Mendelssohn Aufnahme, ebenfalls live aufgenommen. Der Eröffnungsmonolog der Violine zieht den Zuhörer auf der Stelle in seinen Bann und geleitet ihn tief in die Welt von Bruch. Andere Aufnahmebedingungen mögen der Grund für die dichte, seidige Tonqualität sein. Musikalisch steht die Bruch-Einspielung dem Mendelssohn Konzerts in nichts nach, der Charakter jedoch ist anders, und Midori gibt eine leidenschaftliche Aufführung. Der erste Satz wird nicht so sehr von wildem, ungezügelten Temperament beherrscht, als vielmehr von einer eleganten Schönheit, die aus einer brennenden Leidenschaft tief im Herzen erwächst. Unbestritten ist die Darbietung des zweiten Satzes die beste. ... Sie lässt den Hörer zum Erkunder einer Traumwelt werden, die immer wieder zu etwas Erhabenem führt. Der dritte Satz ist schlichtweg atemberaubend. Es ist schwer vorstellbar, dass dies tatsächlich eine Liveaufnahme ist.


CD Journal
, Juli 2003

Das Mendelssohn Konzert ist elegant, voll süßer Romantik, doch tendieren viele Künstler dazu, sich nur auf diese Schönheit allein zu konzentrieren. Bei Midori jedoch führt die exquisite Balance zwischen An- und Entspannung, zwischen Leidenschaftlichkeit und Ruhe zu höchst intensiver Musik. Angeblich komponierte Bruch sein Konzert nach dem Vorbild des Mendelssohn Konzerts. Seine Musik ist romantischer und seine Melodien sind süß und sanglich. Doch ebenso wie bei Mendelssohn besteht auch Bruchs Musik nicht nur aus lieblicher Schönheit. Das Eröffnungssolo ist dermaßen ergreifend, dass es den Zuhörer augenblicklich packt und nie wieder loslässt.