Liechtensteiner Volksblatt, 31. Mai 2006

“Intensität anderer Art wohnte dem Auftritt von Midori inne, die schon am verträumten Anfang des ersten Satz des Violinkonzerts bei aller lyrischen Gesanglichkeit in ihrer gezügelten Explosivität die weitere Entwicklung hin zu den sperrigen Rhythmen und Harmonien des Satzendes vorwegnahm. Das kleine Kraftwerk aus Osaka erwies sich als unübertreffliche Meisterin exaktester Nuanciertheit in der Dosierung der zu jeder Sekunde abrufbereiten, gewaltigen Energieleistung. Die lyrische Süsse des ersten und des dritten Satzes gewährte sie eher als dass sie in ihr schwelgte. Tonschönheit im konventionellen Sinne strebte sie nicht an, sondern verstand es vielmehr, v. a. im zweiten Satz, ihrer Guarneri-Geige, mit der sie wie symbiotisch verwachsen schien, Töne abzutrotzen, in ihrer unorthodoxen Färbung z. T. an maschinelle Metallbearbeitung erinnerten; dies mit völlig natürlicher Selbstverständlichkeit und bar jeder Effekthascherei, stimmig eingebettet in den Orchesterklang.”