| |
Nihon
Keizai Shimbun, 28. November 2005
von Tadao Koishi
[...] Midori spielte Prokofieffs Violinkonzert Nr.1 (mit dem Symphonieochester
des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons im Hyogo
Performing Arts Center am 19. November). Sie übernahm die Führung
des sensiblen, aber kraftvollen Orchesters und arbeitete die Melodie mit
Strenge und Flexibilität zugleich wunderbar heraus. Direkt vom Anfang
an des ersten Satzes erinnerte ihr "kursives" Spiel an japanische
Kalligraphie, mit starkem Rückgrat und reich herausgearbeiteten Gegensätzen
von Licht und Schatten. Besonders die Lyrik des Werks stellte sie wunderbar
heraus.
Das Beeindruckendste war aber in der Tat, wie sie die in der Musik verborgene
romantische Leidenschaft zum Vorschein brachte. Sie schien sich der Musik
von einer Seite genähert zu haben, die bisher noch keiner ihrer Kollegen
entdeckt hat, und von dieser Seite floss sehr frische Musik. Besonders
im Finale schwollen große Emotionen wie Wellen, die ein erhabenes
Ende erreichten und eine Traumwelt kreierten. Midori betrat eine andere
Welt [...]
|
|